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1. Der Inhalt des Kolosserbriefes

1,1-2 Briefkopf

1,3-13 Dank und Fürbitte für die Gemeinde

1,14-20 Grammatisch gesehen entspringt im Griechischen aus dem Dank Gott dem Vater gegenüber in V.12-13 der Inhalt der Verse 14ff, in welchen die Größe Christi beschrieben wird: Im Sohn haben Christen die Erlösung (14). Der Sohn ist göttlicher Natur und der Schöpfung überlegen, da alles durch ihn und für ihn erschaffen worden ist. Er war schon vor dem All existent, und das All wird durch ihn im Bestand gehalten. Auch in der Erlösung ist er als Haupt seines Leibes, der Gemeinde, und als Erstgeborener aus den Toten derjenige, welchem der Vorrang gebührt, weil die ganze Gottheit in ihm wohnend, sich das All durch ihn wieder versöhnen wollte, nachdem Christus durch seinen Kreuzestod Frieden gestiftet hatte.

1,21-23 Auch die Kolosser-Heidenchristen sind durch den Tod Christi von ihrer Fremdheit Gott gegenüber befreit und mit ihm versöhnt worden, wobei Gott sie als Untadelige vor sich stellen wollte, was auch geschieht, wenn sie im Glauben bleiben und an der Hoffnung des von Paulus verkündigten Evangeliums festhalten.

1,24-2,8 Paulus kann sich trotz seiner Leiden freuen, weil er sie für den Leib Christi und für die Heidenchristen erduldet, die nach der ihm zuteil gewordenen Offenbarung des Ratschlusses Gottes in Christus die volle Heils- und Herrlichkeitshoffnung haben dürfen. Paulus möchte jeden

Menschen vollkommen in Christus darstellen und kämpft auch im Gebet für die Christen in Kolossä und Laodizea, daß sie in Christus alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis suchen und treu an Christus festhalten, ohne sich von trügerischer Philosophie menschlicher und innerweltlicher Art von Christus abziehen zu lassen.

2,9-15 Denn in Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, er ist der Weltregent, in ihm sind Christen beschnitten mit einer besseren Beschneidung, nämlich in dem Mit-Ihm-Gestorbensein, ebenso auch mitbegraben und mitauferstanden. Am Kreuz wurde der Schuldbrief der Christen ausgetilgt, wurden auch die Reiche und Gewalten entmachtet und in Christus im Triumphzug zur Schau gestellt.

2,16-23 Darum sollen die kolossichen Heidenchristen nicht mit Verweis auf alttestamentliche Speisevorschriften und den alttestamentlichen Festkalender verurteilt werden. Auch sollen sie sich nicht von Leuten beeindrucken lassen, die mit Engelverehrung und Gesichten einherkommend ihnen Speisesatzungen auferlegen wollen, ohne daß diese Leute sich wahrhaftig an Christus, das Haupt des Leibes halten.

3,1-17 Christliche Ethik kommt von dem Gestorben- und Auferstandensein mit Christus her, von daher sind die verschiedenen Sünden abzulegen und christusgemäße Tugenden anzuziehen. Die Gemeinschaft der Gemeinde sammelt sich um Christus, und Er und Sein Wort sollen alles prägen und bestimmen.

3,18-4,1 Das gilt auch in Ehe und Familie und zwischen Herren und Sklaven.

4,2-6 Dankendes und fürbittendes Gebet, weises Verhalten und guter Gebrauch der Zunge sollen die Christen begleiten.

4,7-18 Grüße, letzte Anordnungen und Segenswünsche.

 

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1 Verfasser sind Paulus und Timotheus.

1,2 Die Heiligen zu Kolossä (vgl. Philemon) sind Empfänger.

1,7 Die Gemeinde in Kolossä scheint durch Epaphras entstanden zu sein.

2,1 Paulus hat einen geistlichen Kampf für gläubigen Kolosser und Laodiceer, die er aber nicht von Angesicht kennt.

4,7 Paulus schickt Tychikus (vgl. Eph 6,21), damit dieser ihnen mündlich berichten kann, wie es Paulus geht.

4,8 Onesimus, der entlaufene und nun bekehrte Sklave des Philemon, wird Tychikus dabei helfen.

4,10ff Es gibt Grüße von Aristarchus, dem Mitgefangenen des Paulus, von Markus, dem Vetter des Barnabas (den sie aufnehmen sollen, wenn er zu ihnen kommt), von Jesus Justus (11), von Epaphras (12). von Lukas und von Demas (14).

4,15 Sie sollen die Gemeinde in Laodicea (Brief an Laodicea) grüßen

4,17 Archippus (vgl. Philemon 2) soll seine Aufgabe in der Gemeinde voll erfüllen.

 

Nach Kol 4,9 gehörte Onesimus nach Kolossä, d.h. Philemons Haus und Hausgemeinde gehörten auch dahin, denn Onesimus war sein Sklave. Dazu paßt auch, daß Archippus als Mitarbeiter der Gemeinde von Kolossä erwähnt wird (Kol 4,17) und ebenfalls in Philemon 2 als einer der namentlich genannten Empfänger neben Philemon. Da aber Tychikus sowohl den Epheserbrief als auch den Kolosserbrief überbracht hat und Onesimus mit ihm reiste (Eph 6,21; Kol 4,7-9), sind alle drei Briefe (Eph, Kol und Philemon) in zeitlicher Nähe voneinander geschrieben und dann auch ausgeliefert worden. Onesimus hatte wahrscheinlich die "Ehre" den Philemonbrief an Philemon zu überreichen, ein Brief, der hauptsächlich wegen Onesimus geschrieben wurde, damit Philemon den reumütigen und frisch bekehrten entlaufenen Sklaven freundlich aufnehme. Da Philipper, Kolosser und Philemon neben Paulus auch Timotheus als Mitverfasser nennen, der Epheserbrief aber nur Paulus erwähnt, sind wohl Philipper, Kolosser und Philemon zuerst geschrieben worden, dann wurde Timotheus wie in Phil 2,19 erwähnt nach Philippi geschickt, dann wurde der Epheserbrief geschrieben und die drei Briefe Epheser, Kolosser und Philemon von Tychikus und Onesimus ausgeliefert. Da die Sendung des Timotheus laut Phil 2,23 dann geschehen sollte, wenn Paulus mehr über seinen Gerichtsfall erfahren hätte (wenn ich erfahren habe, wie es um mich steht), können wir davon ausgehen, daß Timotheus diese Neuigkeiten in Philippi verkünden würde, wie auch Tychikus dieselben in Ephesus und Kolossä (Eph 6,21; Kol 4,7-9). Zumindest zum Zeitpunkt der Abfassung von Philemon 22 hatte Paulus die Hoffnung, bald frei zu kommen (vgl. auch Phil 1,25). Der Brief kann in Cäsarea oder Rom abgefaßt sein. Ist er in Rom abgefaßt, so wissen über Apg 28,30-31 hinaus nichts Näheres über Pauli Umstände. Ist Cäsarea der Abfassungsort, so wußte Paulus seit Apg 23,11 vom Herrn, daß er Judäa wieder verlassen und nach Rom reisen würde. Aber er konnte nicht wissen, daß Felix ihn einerseits vor den Juden retten würde, aber andererseits aus Hoffnung auf Bestechungsgelder den Prozeß zwei Jahre hinziehen würde, ohne Paulus freizulassen (Apg 24,22-27). In bezug auf die Chronologie nehme ich an, daß Epheser, Philipper, Kolosser und Philemon alle im Sommer 56 AD geschrieben wurden, und zwar in der ersten Zeit nach der Gefangennahme des Paulus in Jerusalem, als er noch relativ frisch im Prätorium in Cäsarea war, vielleicht erst ein paar Wochen, ohne absehen zu können, wie sein Prozeß sich entwickeln würde.

 

3. Vorschlag für eine chiastische Struktur des Kolosserbriefes nach Welch1

 

1,3-9

A Wir danken Gott allezeit, wenn wir für euch beten. (1:3)
  B seit wir gehört haben (1:4)
    C von eurem Glauben an Christus und eurer Liebe zu allen Heiligen (eis hagious)
      D wegen des Hoffnungsgutes, das für euch in den Himmeln aufbewahrt ist (1:5)
        E von dem ihr gehört habt (proakousate) im Wort der Wahrheit des Evangeliums, das zu euch gekommen ist (1:6)
          F wie es auch (kathos kai) in aller Welt ist (1:6)
            G fruchtbringend (1:6)
            G’ und wachsend (1:6)
          F’ wie auch (kathos kai) bei Euch (1:6)
        E’ von dem Tage an, da ihr gehört (akousate) und erkannt habt (1:6)
      D’ die Gnade Gottes in Wahrheit
    C’ wie ihr es gelernt habt von Epaphras, der ein treuer Diener Christi für Euch ist
       und uns Eure Liebe im Geist (en pneumati) kundgetan hat (1:7-8)
  B’ Darum auch wir von dem Tage an, da wir’s gehört haben, (1:9)
A’ lassen wir nicht ab, für Euch zu beten (1:9)

 

1,1-29

A Wir sind Gottes Diener (1:1,7) und beten und danken für Euren Glaube und Eure Liebe, wegen des Hoffnungsgutes, von dem ihr im Evangeliums gehört habt (5-6) und wir erbitten Weisheit und Verständnis für Euch (9), damit ihr des Herrn würdig lebt, fruchtbar in allen guten Werken, gestärkt mit aller Kraft zu aller Geduld (10-11)

B Gott gebührt Dank, der uns zu Teilhabern am Erbteil der Heiligen gemacht und uns in das Reich seines Sohnes versetzt hat, in welchem wir Erlösung, nämlich Vergebung der Sünden haben, (1:12-14)

C welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung (1:15)

D weil in ihm alle Dinge erschaffen worden sind, in den Himmeln und auf der Erde, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne, Herrschaften, Gewalten, Mächte, alle Dinge wurden durch ihn und zu ihm hin erschaffen. (1:16) Und er ist vor allem, und alle Dinge haben in ihm ihren Bestand. (1:17)

C’ Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde, welcher der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten,
damit er in allem den Vorrang habe. (1:18) ‘

B’ weil es der ganzen Fülle gefiel, in ihm zu wohnen (1:19) und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen, indem er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz, durch ihn, sei es das auf Erden oder das in den Himmeln. (1:20) Auch Euch, ehemalige Feinde von ihm, hat er nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um Euch als heilig, tadellos und unsträflich vor sich hinzustellen,

A’ wenn ihr im Glauben bleibt und nicht abweicht von dem Hoffnungsgut des Evangeliums, das ihr gehört habt, das in der ganzen Schöpfung verkündigt ist, dessen Diener ich Paulus geworden bin (23). Ebenso bin ich mit Freude ein Diener der Gemeinde im Leiden, indem ich auftragsgemäß das Wort Gottes erfülle, das Geheimnis, das in vergangenen Zeiten verborgen war, nun aber seinen Heiligen geoffenbart ist, welches ist Christus in Euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. (24-27) Ihn verkündigen wir, um jeden Menschen vollkommen in ihm darzustellen. (28-29)

 

2,1-3,4

A Ich erleide einen großen Kampf für Euch und alle die mich noch nicht persönlich gesehen haben (2,1-2), daß alle in Christus gesegnet werden mögen, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit (3). Ich freue mich, wenn ich Eure Ordnung und festen Glauben an Christus sehe (4-5)

B Wandelt in Christus, verwurzelt und gegründet in ihm (6-7), denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr habt diese Fülle in ihm, welcher ist das Haupt aller Reiche und Gewalten (9-10). Laßt niemand euch einfangen durch Philosophie und leeren Trug gegründet auf die Elemente der Welt (8).

C In Christus seid ihr beschnitten ohne Zutun von Händen, als ihr nämlich euren fleischlichen Leib ablegtet bei der Beschneidung durch Christus (11). Mit ihm wurdet ihr begraben durch die Taufe und mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt, welcher ihn auferweckt hat von den Toten ( 12).

B’ Er hat euch lebendig gemacht und euch alle Sünden vergeben (13) Er hat die Reiche und Gewalten ihrer Macht entkleidet ( 14). So laßt nun niemand euch verurteilen, denn wenn ihr mit Christus abgestorben seid den Elementen der Welt, was braucht ihr dann noch Gebote und Lehren von Menschen (20). Der Leib aber ist des Christus (17).

A' Suchet, was droben ist in Christus, denn euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott (3,1-3) Wenn Christus, unser Leben, sich offenbaren wird, dann werden wir mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit (3,4).

 

3,5-4,18

 

A Ermahnender Abschnitt: Tötet die bösen Glieder auf Erden und ziehet die Tugenden der Auserwählten Gottes an.

B Tut alles in dem Namen des Herrn (17):  Frauen und Ehemänner (18-19), Väter und Kinder (20-21), Diener und Herren (3,22-4,1).

A’ Ermahnender Abschnitt: Haltet an am Gebet und wandelt in Weisheit (4:2-6)

Briefabschluß (4,7-18)

 

 

Eddy Lanz, February 2007


1 Nach: Welch, J. W. <Hrsg.>, Chiasmus in Antiquity, Hildesheim, Gerstenberg Verlag, 1981, John W. Welch: Chiasmus in the New Testament, S. 222ff