1. Der Inhalt des Kolosserbriefes

1,1-2 Briefkopf

1,3-13 Dank und Fürbitte für die Gemeinde

1,14-20 Grammatisch gesehen entspringt im Griechischen aus dem Dank Gott dem Vater gegenüber in V.12-13 der Inhalt der Verse 14ff, in welchen die Größe Christi beschrieben wird: Im Sohn haben Christen die Erlösung (14). Der Sohn ist göttlicher Natur und der Schöpfung überlegen, da alles durch ihn und für ihn erschaffen worden ist. Er war schon vor dem All existent, und das All wird durch ihn im Bestand gehalten. Auch in der Erlösung ist er als Haupt seines Leibes, der Gemeinde, und als Erstgeborener aus den Toten derjenige, welchem der Vorrang gebührt, weil die ganze Gottheit in ihm wohnend, sich das All durch ihn wieder versöhnen wollte, nachdem Christus durch seinen Kreuzestod Frieden gestiftet hatte.

1,21-23 Auch die Kolosser-Heidenchristen sind durch den Tod Christi von ihrer Fremdheit Gott gegenüber befreit und mit ihm versöhnt worden, wobei Gott sie als Untadelige vor sich stellen wollte, was auch geschieht, wenn sie im Glauben bleiben und an der Hoffnung des von Paulus verkündigten Evangeliums festhalten.

1,24-2,8 Paulus kann sich trotz seiner Leiden freuen, weil er sie für den Leib Christi und für die Heidenchristen erduldet, die nach der ihm zuteil gewordenen Offenbarung des Ratschlusses Gottes in Christus die volle Heils- und Herrlichkeitshoffnung haben dürfen. Paulus möchte jeden

Menschen vollkommen in Christus darstellen und kämpft auch im Gebet für die Christen in Kolossä und Laodizea, daß sie in Christus alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis suchen und treu an Christus festhalten, ohne sich von trügerischer Philosophie menschlicher und innerweltlicher Art von Christus abziehen zu lassen.

2,9-15 Denn in Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, er ist der Weltregent, in ihm sind Christen beschnitten mit einer besseren Beschneidung, nämlich in dem Mit-Ihm-Gestorbensein, ebenso auch mitbegraben und mitauferstanden. Am Kreuz wurde der Schuldbrief der Christen ausgetilgt, wurden auch die Reiche und Gewalten entmachtet und in Christus im Triumphzug zur Schau gestellt.

2,16-23 Darum sollen die kolossichen Heidenchristen nicht mit Verweis auf alttestamentliche Speisevorschriften und den alttestamentlichen Festkalender verurteilt werden. Auch sollen sie sich nicht von Leuten beeindrucken lassen, die mit Engelverehrung und Gesichten einherkommend ihnen Speisesatzungen auferlegen wollen, ohne daß diese Leute sich wahrhaftig an Christus, das Haupt des Leibes halten.

3,1-17 Christliche Ethik kommt von dem Gestorben- und Auferstandensein mit Christus her, von daher sind die verschiedenen Sünden abzulegen und christusgemäße Tugenden anzuziehen. Die Gemeinschaft der Gemeinde sammelt sich um Christus, und Er und Sein Wort sollen alles prägen und bestimmen.

3,18-4,1 Das gilt auch in Ehe und Familie und zwischen Herren und Sklaven.

4,2-6 Dankendes und fürbittendes Gebet, weises Verhalten und guter Gebrauch der Zunge sollen die Christen begleiten.

4,7-18 Grüße, letzte Anordnungen und Segenswünsche.

 

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1 Verfasser sind Paulus und Timotheus.

1,2 Die Heiligen zu Kolossä (vgl. Philemon) sind Empfänger.

1,7 Die Gemeinde in Kolossä scheint durch Epaphras entstanden zu sein.

2,1 Paulus hat einen geistlichen Kampf für gläubigen Kolosser und Laodiceer, die er aber nicht von Angesicht kennt.

4,7 Paulus schickt Tychikus (vgl. Eph 6,21), damit dieser ihnen mündlich berichten kann, wie es Paulus geht.

4,8 Onesimus, der entlaufene und nun bekehrte Sklave des Philemon, wird Tychikus dabei helfen.

4,10ff Es gibt Grüße von Aristarchus, dem Mitgefangenen des Paulus, von Markus, dem Vetter des Barnabas (den sie aufnehmen sollen, wenn er zu ihnen kommt), von Jesus Justus (11), von Epaphras (12). von Lukas und von Demas (14).

4,15 Sie sollen die Gemeinde in Laodicea (Brief an Laodicea) grüßen

4,17 Archippus (vgl. Philemon 2) soll seine Aufgabe in der Gemeinde voll erfüllen.

 

Nach Kol 4,9 gehörte Onesimus nach Kolossä, d.h. Philemons Haus und Hausgemeinde gehörten auch dahin, denn Onesimus war sein Sklave. Dazu paßt auch, daß Archippus als Mitarbeiter der Gemeinde von Kolossä erwähnt wird (Kol 4,17) und ebenfalls in Philemon 2 als einer der namentlich genannten Empfänger neben Philemon. Da aber Tychikus sowohl den Epheserbrief als auch den Kolosserbrief überbracht hat und Onesimus mit ihm reiste (Eph 6,21; Kol 4,7-9), sind alle drei Briefe (Eph, Kol und Philemon) in zeitlicher Nähe voneinander geschrieben und dann auch ausgeliefert worden. Onesimus hatte wahrscheinlich die "Ehre" den Philemonbrief an Philemon zu überreichen, ein Brief, der hauptsächlich wegen Onesimus geschrieben wurde, damit Philemon den reumütigen und frisch bekehrten entlaufenen Sklaven freundlich aufnehme. Da Philipper, Kolosser und Philemon neben Paulus auch Timotheus als Mitverfasser nennen, der Epheserbrief aber nur Paulus erwähnt, sind wohl Philipper, Kolosser und Philemon zuerst geschrieben worden, dann wurde Timotheus wie in Phil 2,19 erwähnt nach Philippi geschickt, dann wurde der Epheserbrief geschrieben und die drei Briefe Epheser, Kolosser und Philemon von Tychikus und Onesimus ausgeliefert. Da die Sendung des Timotheus laut Phil 2,23 dann geschehen sollte, wenn Paulus mehr über seinen Gerichtsfall erfahren hätte (wenn ich erfahren habe, wie es um mich steht), können wir davon ausgehen, daß Timotheus diese Neuigkeiten in Philippi verkünden würde, wie auch Tychikus dieselben in Ephesus und Kolossä (Eph 6,21; Kol 4,7-9). Zumindest zum Zeitpunkt der Abfassung von Philemon 22 hatte Paulus die Hoffnung, bald frei zu kommen (vgl. auch Phil 1,25). Der Brief kann in Cäsarea oder Rom abgefaßt sein. Ist er in Rom abgefaßt, so wissen über Apg 28,30-31 hinaus nichts Näheres über Pauli Umstände. Ist Cäsarea der Abfassungsort, so wußte Paulus seit Apg 23,11 vom Herrn, daß er Judäa wieder verlassen und nach Rom reisen würde. Aber er konnte nicht wissen, daß Felix ihn einerseits vor den Juden retten würde, aber andererseits aus Hoffnung auf Bestechungsgelder den Prozeß zwei Jahre hinziehen würde, ohne Paulus freizulassen (Apg 24,22-27). In bezug auf die Chronologie nehme ich an, daß Epheser, Philipper, Kolosser und Philemon alle im Sommer 56 AD geschrieben wurden, und zwar in der ersten Zeit nach der Gefangennahme des Paulus in Jerusalem, als er noch relativ frisch im Prätorium in Cäsarea war, vielleicht erst ein paar Wochen, ohne absehen zu können, wie sein Prozeß sich entwickeln würde.

 

3. Vorschlag für eine chiastische Struktur des Kolosserbriefes nach Welch1

 

1,3-9

A Wir danken Gott allezeit, wenn wir für euch beten. (1:3)
  B seit wir gehört haben (1:4)
    C von eurem Glauben an Christus und eurer Liebe zu allen Heiligen (eis hagious)
      D wegen des Hoffnungsgutes, das für euch in den Himmeln aufbewahrt ist (1:5)
        E von dem ihr gehört habt (proakousate) im Wort der Wahrheit des Evangeliums, das zu euch gekommen ist (1:6)
          F wie es auch (kathos kai) in aller Welt ist (1:6)
            G fruchtbringend (1:6)
            G’ und wachsend (1:6)
          F’ wie auch (kathos kai) bei Euch (1:6)
        E’ von dem Tage an, da ihr gehört (akousate) und erkannt habt (1:6)
      D’ die Gnade Gottes in Wahrheit
    C’ wie ihr es gelernt habt von Epaphras, der ein treuer Diener Christi für Euch ist
       und uns Eure Liebe im Geist (en pneumati) kundgetan hat (1:7-8)
  B’ Darum auch wir von dem Tage an, da wir’s gehört haben, (1:9)
A’ lassen wir nicht ab, für Euch zu beten (1:9)

 

1,1-29

A Wir sind Gottes Diener (1:1,7) und beten und danken für Euren Glaube und Eure Liebe, wegen des Hoffnungsgutes, von dem ihr im Evangeliums gehört habt (5-6) und wir erbitten Weisheit und Verständnis für Euch (9), damit ihr des Herrn würdig lebt, fruchtbar in allen guten Werken, gestärkt mit aller Kraft zu aller Geduld (10-11)

B Gott gebührt Dank, der uns zu Teilhabern am Erbteil der Heiligen gemacht und uns in das Reich seines Sohnes versetzt hat, in welchem wir Erlösung, nämlich Vergebung der Sünden haben, (1:12-14)

C welcher das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung (1:15)

D weil in ihm alle Dinge erschaffen worden sind, in den Himmeln und auf der Erde, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne, Herrschaften, Gewalten, Mächte, alle Dinge wurden durch ihn und zu ihm hin erschaffen. (1:16) Und er ist vor allem, und alle Dinge haben in ihm ihren Bestand. (1:17)

C’ Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde, welcher der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten,
damit er in allem den Vorrang habe. (1:18) ‘

B’ weil es der ganzen Fülle gefiel, in ihm zu wohnen (1:19) und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen, indem er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz, durch ihn, sei es das auf Erden oder das in den Himmeln. (1:20) Auch Euch, ehemalige Feinde von ihm, hat er nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um Euch als heilig, tadellos und unsträflich vor sich hinzustellen,

A’ wenn ihr im Glauben bleibt und nicht abweicht von dem Hoffnungsgut des Evangeliums, das ihr gehört habt, das in der ganzen Schöpfung verkündigt ist, dessen Diener ich Paulus geworden bin (23). Ebenso bin ich mit Freude ein Diener der Gemeinde im Leiden, indem ich auftragsgemäß das Wort Gottes erfülle, das Geheimnis, das in vergangenen Zeiten verborgen war, nun aber seinen Heiligen geoffenbart ist, welches ist Christus in Euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. (24-27) Ihn verkündigen wir, um jeden Menschen vollkommen in ihm darzustellen. (28-29)

 

2,1-3,4

A Ich erleide einen großen Kampf für Euch und alle die mich noch nicht persönlich gesehen haben (2,1-2), daß alle in Christus gesegnet werden mögen, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit (3). Ich freue mich, wenn ich Eure Ordnung und festen Glauben an Christus sehe (4-5)

B Wandelt in Christus, verwurzelt und gegründet in ihm (6-7), denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr habt diese Fülle in ihm, welcher ist das Haupt aller Reiche und Gewalten (9-10). Laßt niemand euch einfangen durch Philosophie und leeren Trug gegründet auf die Elemente der Welt (8).

C In Christus seid ihr beschnitten ohne Zutun von Händen, als ihr nämlich euren fleischlichen Leib ablegtet bei der Beschneidung durch Christus (11). Mit ihm wurdet ihr begraben durch die Taufe und mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt, welcher ihn auferweckt hat von den Toten ( 12).

B’ Er hat euch lebendig gemacht und euch alle Sünden vergeben (13) Er hat die Reiche und Gewalten ihrer Macht entkleidet ( 14). So laßt nun niemand euch verurteilen, denn wenn ihr mit Christus abgestorben seid den Elementen der Welt, was braucht ihr dann noch Gebote und Lehren von Menschen (20). Der Leib aber ist des Christus (17).

A' Suchet, was droben ist in Christus, denn euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott (3,1-3) Wenn Christus, unser Leben, sich offenbaren wird, dann werden wir mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit (3,4).

 

3,5-4,18

 

A Ermahnender Abschnitt: Tötet die bösen Glieder auf Erden und ziehet die Tugenden der Auserwählten Gottes an.

B Tut alles in dem Namen des Herrn (17):  Frauen und Ehemänner (18-19), Väter und Kinder (20-21), Diener und Herren (3,22-4,1).

A’ Ermahnender Abschnitt: Haltet an am Gebet und wandelt in Weisheit (4:2-6)

Briefabschluß (4,7-18)

 

 

Eddy Lanz, February 2007


1 Nach: Welch, J. W. <Hrsg.>, Chiasmus in Antiquity, Hildesheim, Gerstenberg Verlag, 1981, John W. Welch: Chiasmus in the New Testament, S. 222ff

1. Der Inhalt des 1. Thessalonicherbriefes

1,1 Briefkopf (Absender, Empfänger, Gruß): Paulus, Silvanus und Timotheus der Gemeinde zu Thessalonich Gnade und Frieden!

1,2-3 Paulus, Silvanus und Timotheus danken Gott für Glaube, Liebe und Hoffnung bei den Thessalonichern.

1,4-10 Gott hat die Thessalonicher erwählt. Sie sind Vorbild für andere geworden.

2,1-12 Die liebevolle und reine Art und Weise, wie das Apostelteam sich bei der Gründung der Gemeinde verhalten hat, soll sie anspornen, ein Leben zu führen, das Gottes würdig ist. 

2,13-16 Paulus, Silvanus und Timotheus danken Gott für die Aufnahme des Evangeliums bei den Thessalonichern trotz Verfolgung. 

2,17-20 Paulus wünscht sich sehnlichst, die Thessalonicher zu sehen. 

3,1-9 Er hatte deswegen auch Timotheus geschickt, um sie in ihren Schwierigkeiten zu stärken. 

3,10-13 Sie beten Tag und Nacht für die Thessalonicher, um sie wiederzusehen und daß Gott sie stärkt. 

4,1-2 Beginn des paränetischen Teils: Aufruf zum Wachstum in christlicher Lebensweise:

4,3-8 in Reinheit, was die Geschlechtlichkeit betrifft;

4,9-10 in brüderlicher Liebe;

4,11-12 im Arbeiten für den eigenen Lebensunterhalt.

4,13-5,11: Die Bedeutung der Wiederkunft  Jesu Christi für die Gläubigen: Die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten ist ein Trost für Christen, die gläubige Angehörge verloren haben (4,13-18). Die Zeit des Tages des Herrn ist nicht bekannt. Eines ist klar, daß er plötzlich kommen wird (5,1-3). Darum sollen Christen immer bereit sein für diesen Tag (5,4-11). 

5,12-22 Einzelne Ermahnungen und Ermunterungen

5,23-28 Segenswunsch, abschließende Bitten, Grüße

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes


1,1 Paulus Apg 15,36-41: Paulus und Barnabas hatten sich wegen Meinungsverschieden über Johannes Markus getrennt. So bestand Pauli Team auf der 2. Missionsreise aus anderen Mitarbeitern: 
Silvanus (= Silas) Apg 15,22: Er war einer der Überbringer der Übereinkunft (15,30), kam nach Antiochia (15,32), war ein Prophet und  wurde von Paulus mit auf die 2. Missionsreise genommen. Er  hat die Gemeinde in Thessalonich mitgegründet (Apg 17,4; vgl. 1 Petr 5,12! ).
Timotheus (Apg 16,1-3) hatte eine jüdische Mutter, aber einen griechischer Vater. Er war ein bewährter junger Christ, wurde von Paulus aus Rücksichtnahme auf die Juden (vgl. 1 Kor 9,20) beschnitten und mit ins missionarische Team aufgenommen.

1,1 der Gemeinde der Thessalonicher:  In Apg 17,1-9 wird die Gründung der Gemeinde beschrieben.

1,6 Wortaufnahme unter viel Trübsalen: Siehe Apg 17,5-9.13: Die thessalonischen Juden verfolgten sowohl in Thessalonich als auch in Beröa die Christen.

1,7 Vorbild allen Gläubigen in Mazedonien und Achaja

8-9 Ausstrahlung nach Mazedonien, Achaja und allen Orten: Das heißt zum Zeitpunkt der Briefabfassung gibt es schon in Achaja Christen.

2,2 Die Gemeinde in Thessalonich wurde gegründet nach der Gemeinde in Philippi, und zwar nach leidvollen Erlebnissen in Philippi (Apg 16,1-40). In Apg 16,10 beginnt der erste Wir-Bericht der Apg und führt bis Philippi. In 20,5-6 beginnt der zweite Wir-Bericht der Apg wiederum in Philippi, sodaß der Verfasser der Apg (Lukas) wohl in Philippi geblieben ist, um die Gemeinde dort genauso zu stärken, wie Timotheus die Thessalonicher nach 3,1-3 ermutigen sollte.

2,9 Das Team des Paulus hat für die eigene materielle Versorgung gearbeitet.  Vgl. Philipper 4,15-16: Ihr wißt aber auch, ihr Philipper, daß im Anfang des Evangeliums, als ich aus Mazedonien weg ging, keine Gemeinde mich am gegenseitigen Geben und Empfangen beteiligt hat als nur ihr allein. Denn sogar [schon, als ich] in Thessalonich [war], habt ihr mir nicht nur einmal, sondern zweimal für meinen Bedarf gesandt.

2,14-16:  Paulus erwähnt verschiedene Verfolger: “Denn, Brüder, ihr seid Nachahmer der Gemeinden Gottes geworden, die in Judäa sind in Christus Jesus, weil auch ihr dasselbe von den eigenen Landsleuten erlitten habt, wie auch sie von den Juden, die sowohl den Herrn Jesus als auch die Propheten getötet und uns verfolgt haben und Gott nicht gefallen und allen Menschen feindlich sind, indem sie - um ihr Sünden[maß] stets voll zu machen - uns wehren, zu den Nationen zu reden, damit die errettet werden; aber der Zorn ist endgültig über sie gekommen.”

2,17-18 Pauli Wunsch noch einmal nach Thessalonich zu kommen, ging bisher nicht in Erfüllung (der Wunsch ist immer noch da, vgl 3,10).

3,1-5 Paulus blieb in Athen (Silvanus auch?) und sandte Timotheus, um die Gläubigen in Thessalonich zu stärken und vor dem Abfall zu bewahren. Apg: Der Auftrag des Paulus an Timotheus in Apg 17,14-15 war also offensichtlich von diesem ausgeführt worden (von Silas auch, oder war er gleich in Thessalonich geblieben wegen der harten Verfolgungslage? Vgl. Apg 18,5: Dort kamen Timotheus und Silas aus “Mazedonien” zu Paulus. Oder hatte Paulus den Silas evtl. nach Philippi oder Beröa geschickt und nun kamen siegemeinsam zu ihm?)

3,6-7 Timotheus kam mit guten Nachrichten zu Paulus: Der Ort wird Korinth gewesen sein (Apg 18,5). Als Reaktion auf diese guten Nachrichten und um manche Mängel zu beheben (vgl. 3,10) schreibt Paulus diesen Brief. Die Delphinschrift hilft bei der Datierung von Pauli Aufenthalt in Korinth und somit auch bei der Datierung der beiden Thessalonicherbriefe:  

 

“Es gibt eine Inschrift, welche einen Erlaß des Kaisers Claudius gegenüber den Leuten von Delphi wiedergibt, der über Gallio sagt, daß er während der Zeit der sechsundzwanzigsten Akklamation von Claudius als Imperator Prokonsul in Achaja war - eine Zeitspanne, die nach anderen Inschriften die ersten sieben Monate des Jahres 52 n. Chr. abdeckte. Prokonsule begannen ihre Amtszeit gewöhnlich am 1. Juli, was bedeutet, daß Gallio wahrscheinlich das Prokonsulat am 1. Juli 51 antrat. Es ist jedoch möglich, daß der Erlaß genau an das Ende der Siebenmonatsperiode gehört, in welchem Falle Gallio seine Amtsgeschäfte am 1. Juli 52 aufgenommen haben mag. Da der letzte Zeitpunkt nur einen Monat für den Erlaß übrigläßt, ist der erste wohl wahrscheinlicher. Wenn die Juden ihren vereinte Attacke auf Paulus (Apg 18,12) ziemlich früh während des Prokonsulats von Gallio machten, dann fand sie wahrscheinlich im Herbst 51 n. Chr. statt.”1


Ich gehe von daher für den Amtsantritt von Gallio vom 1. Juli 51 aus. Wenn die 18 Monate von Apg 18,11 etwa bis in den Herbst 51 hinein reichten, so fiele die Anfangszeit der Tätigkeit des Paulus in Korinth (18,5ff) grob in das Frühjahr 50. In diese Anfangszeit in Korinth fällt wahrscheinlich die Abfassungszeit des 1 Thessalonicherbriefes: Das ergäbe für die Chronologie das Frühjahr 50.

4,9-10 Die Thessalonicher lieben einander und die Christen in ganz Mazedonien.

5,27 “Ich beschwöre euch bei dem Herrn, daß der Brief allen Brüdern vorgelesen werde.” Wenn man 2,13 und 5,27 zusammennimmt, dann kann man erkennen, welche Autorität Paulus seinen Briefen beimißt (vgl. 2 Thess 3,14+17).

 

1 Carson, D. A.; Moo, D. J.; Morris, L., An Introduction to the New Testament, Grand Rapids, Zondervan, 1992, S.282; Übersetzung: Lanz.

1. Der Inhalt des 2. Thessalonicherbriefes

1,1-2 Briefkopf (Absender, Empfänger, Gruß): Paulus, Silvanus und Timotheus der Gemeinde zu Thessalonich Gnade und Frieden!

1,3-12 Dank (V.3-4) und Fürbitte (V.11-12) für die Gemeinde in Thessalonich (V.5-10 sprechen im Dankeszusammenhang von Gottes Gericht zur Rettung der gläubigen Thessalonicher und zur Verurteilung ihrer Verfolger an jenem Tag, wenn Jesus wiederkommen wird).

2,1-12 Das Kommen Jesu und die Versammlung der Gläubigen zu ihm hin am Tag des Herrn ereignen sich erst, wenn der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, welcher unter der Zulassung Gottes zum Gericht derer kommt, die die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, und der vom Herrn Jesus bei seiner Wiederkunft beseitigt werden wird.

2,13-14 Paulus dankt für die Erwählung und den Glauben der Thessalonicher.

2,15 Auf diesem Hintergrund ruft er sie zum standhaften Festhalten des von ihm in Verkündigung oder Brief überlieferten Lehrgutes auf.

2,16-17 Segenswunsch des Apostels, daß der sie liebende Herr die Thessalonicher stärken und ihnen zu Herzen reden möge. 

3,1-2 Bitte um Fürbitte für sich und sein Team, daß der Herr ihre Missionsarbeit segnet und sie von den Ungläubigen errettet.

3,3-5 Im Vertrauen auf Gottes Treue weiß Paulus, daß sie bewahrt bleiben und seinen Anordnungen Folge leisten werden, und wünscht ihnen in diesem Sinne segnend, daß der Herr ihre Herzen leiten möge.

3,6-16 Die Gläubigen in Thessalonich sollen nicht für ihren Lebensunterhalt arbeitende Gemeindeglieder durch entsprechende Maßnahmen zu einem geregelten Leben bewegen.

3,17-18 Gruß des Paulus, Echtheitszeichen, Segenswunsch.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

 1,1 Paulus, Silvanus und Timotheus: die gleichen Absender wie beim 1. Thessalonicher. Die Situation scheint in etwa die gleiche zu sein wie beim 1. Thessalonicherbrief. 

1,3-4 Die Verfolgung der Christen in Thessalonich hält an, aber sie halten in Glaube, Liebe und Geduld stand.

2,2 “Brief, als ob von uns”: Diese Bemerkung verbunden mit dem Echtheitszeichen in 3,17 könnte bedeuten, daß jemand einen Brief gefälscht hat.

2,15 “durch Wort oder Brief”: Die Gläubigen sollen festhalten an der von Pauli Team gebrachten Lehre.

3,6-12 Paulus schreibt gegen den "unordentlichen" Lebenswandel einiger Gemeindeglieder in Thessalonich. 

3,14-17 Wichtigkeit der Paulusbriefe

Der 2. Thessalonicherbrief scheint in zeitlicher Nähe zum 1. Thessalonicherbrief abgefaßt worden zu sein. Von daher kann man ihn in der Chronologie etwa im Herbst 50 AD ansetzen. Die Verfolgungslage ist immer noch die gleiche, die Thematik der Endzeit bewegt die Gemeinde immer noch stark. Anlaß der Abfassung sind außer mutmachenden Worten wegen der Verfolgungen Verwirrungen hinsichtlich des Tages des Herrn und der damit verbunden Versammlung der Gläubigen zu Jesus Christus hin (2,1ff) und unordentliche Zustände bei einigen Gemeindegliedern in Thessalonich (3,6-12), die nicht mehr ihren eigenen Lebensunterhalt verdienten (eventuell aus falsch verstandener Naherwartung heraus?).

 

Der Inhalt des 1. Timotheusbriefes

1,1-2 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Paulus dem Timotheus Gnade, Barmherzigkeit und Friede!

1,3-11 Timotheus sollte nach Pauli Abreise in Richtung Mazedonien Leuten in Ephesus wehren, die in bezug auf das Gesetz Gottes verkehrt lehrten, falsche Schwerpunkte setzten und damit echte Liebe und ungeheuchelten Glauben verdrängten.

1,12-17 Paulus dankt Gott für die ihm widerfahrene Gnade, daß Gott ihn, einen Verfolger der Gemeinde, gerettet und mit der Evangeliumsverkündigung beauftragt hat, so daß er für alle Gläubigen ein Beispiel der Geduld Gottes geworden ist.

1,18-20 Die Botschaft, daß Christus gekommen ist, um zur Ehre Gottes Sünder zu retten, befiehlt Paulus erneut seinem geistlichen Sohn Timotheus an, damit er durch die ihm persönlich zuteil gewordenen Prophezeiungen zu gutem Kampf gestärkt, mit Glauben und gutem Gewissen anders als Hymenäus und Alexander den Zielhafen ohne Schiffbruch ansteuert.

2,1-7 Es ist für Christen eine vorrangige Aufgabe, für alle Menschen, auch Regierungsverantwortung tragende, betend und mit dankbarer Haltung einzutreten, damit die Christen in gesellschaftlichem Frieden ihres Glaubens leben können. Gott nimmt solche Gebete gerne an, weil alle Menschen zum Heil kommen sollen, weil Christus sich als Mittler geopfert hat, um alle zu erlösen, und dies in der von Gott gegebenen Zeit z.B. auch durch Paulus den Nationen verkündigt werden soll.

2,8-15 Darum sollen Männer und auch Frauen an allen Orten im Gottesdienst in äußerlich und innerlich angemessener Weise beten. Eine Frau soll sich in der Gemeinde der Schöpfungsordnung gemäß unterordnen und nicht Lehrautorität und dominierendes Verhalten an den Tag legen. Gott wird gläubige Frauen durch Nöte des Gebärens hindurch bewahren.

3,1-7 Die gemeindeleitenden Männer (Episkopoi) müssen bestimme ethische und geistliche Voraussetzungen erfüllen, um ihre vorbildgebende Aufgabe ausüben zu können.

3,8-13 Für Diakone gibt es ebenso entsprechende Maßstäbe.

3,14-16 Paulus will selbst bald zu Timotheus kommen, schreibt aber den Brief, damit das Leben in der Gemeinde gut geregelt verläuft und das große Glaubensgeheimnis der Inkarnation dabei geachtet wird.

4,1-5 Gottes Geist sagt deutlich, daß in der Endzeit viele von diesem wahren Christusglauben ab- und dämonischen Lehren zufallen werden, die eine schöpfungsverachtende Tendenz an den Tag legen, indem sie Eheschließungen verhindern und von Gott geschaffene Speisen verwerfen.

4,6-16 Timotheus soll gut lehren, säkularisierende Mythen abweisen, sich im Gott ehrenden Leben trainieren, seine Gnadengabe nicht vernachlässigen und wird durch all dieses sich und die auf ihn Hörenden retten.

5,1-2 Timotheus soll sich gegenüber alten und jungen Männern und Frauen jeweils korrekt verhalten.

5,3-16 Paulus gibt bestimmte Richtlinien für das Auswählen der Witwen, die von der Gemeinde materiell versorgt werden sollen, an.

5,17-25 Die Ältesten sollen guten Arbeitslohn empfangen. Sie sollen gegenüber falschen Anklagen geschützt werden, aber bei Sünde öffentlich zurechtgewiesen werden. Timotheus soll nicht zu schnell die Hände auflegen und nicht fremder Sünden teilhaftig werden. Weintrinken soll seiner Verdauung helfen. Das Gericht Gottes wird offensichtliche und verborgene, gute und schlechte Taten der Menschen bewerten und vergelten. 

6,1-2 Gläubige Sklaven sollen Gott in ihrem Stand Ehre machen.

6,3-16 Paulus warnt vor Leuten, die aus Gewinnsucht religiöse Lehren bringen, aber sich nicht zu Jesu Worten halten und ensprechend sich selbst und anderen schaden. Timotheus soll nicht das Reich-Werden-Wollen zum Ziel haben, sondern in Glaube und Liebe und Reinheit auf die verheißene Wiederkunft Jesu Christi zuleben.

6,17-19 Die reichen Christen sollen christlich mit ihrem Reichtum umgehen.

6,20-21 Timotheus soll im Abweisen der Gnosis seinen Glaubensschatz bewahren.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1 Paulus schreibt an seinen Sohn Timotheus.

1,3 Timotheus blieb in Ephesus, als Paulus nach Mazedonien zog (vgl. Apg 20,1.3). 

1,3-4.6-7 Irrlehren (vgl. Apg 20,20; siehe 1,20: Hymenäus und Alexander)

3,1ff Qualifikationen für Episkopoi (Aufseher; Gemeindeleiter, mehrere am Ort; vgl. 5,22; ebenso Apg 20,17.28).

3,8ff Qualifikationen für Diakonoi

3,14f Zweck des Schreibens ist, Timotheus Richtlinien zu geben, wie das Gemeindeleben praktisch aussehen soll. Paulus hofft, bald zu Timotheus zu kommen. Das "bald" ist wohl im Sinne einiger Monate zu verstehen. Wären es Tage, wäre das Schreiben des Briefes überflüssig gewesen.

4,1-5 Die Irrlehre hat asketisch-gnostische Tendenzen mit Verwerfung der Ehe und gewissen Speiseverboten (vgl. 2,15, das ein Ja zur Ehe und Gottes Bewahrung beim Kindergebären voraussetzt; siehe auch Apg 20,29-31). 

13 Halte an mit Lesen ... bis ich komme.

5,3-16 Witwenregelung (bes. V. 14-15; vgl. 1 Kor 7)

23 Timotheus soll Wein gebrauchen, nicht nur Wasser, weil er oft krank ist. 

6,3-5 Hier wird ein Porträt anders Lehrender gezeichnet. 

6,20-21 Die fälschlich so genannte Erkenntnis (Gnosis im Griechischen) gibt einen Hinweis auf den Hintergrund der Irrlehren, gegen welche sich der Brief u.a. richtet. 

Der in 1,3 erwähnte Abschied des Paulus von Timotheus in Ephesus paßt gut zu Apg 20,1. Demnach kann man die Zeit für die Abfassung des Brief es auf Apg 20,2 festlegen, was nach unserem Chronologievorschlag etwa Spätfrühjahr / Sommer 55 AD wäre. Mögliche Abfassungsorte wären Troas oder Mazedonien.

 

3. Vorschlag für eine chiastische Struktur des 1. Timotheusbriefes nach Welch1

I. Einleitung (20 Verse)

A  Achte darauf, daß keine andere Lehre gebracht wird. (1,1-7)

(a) unnütze Mythen
(b) Übe Liebe aus reinem Herzen, guten Gewissen, ungeheucheltem Glauben
(a) unnützes Geschwätz

B Das Gesetz kann gegen Sünden helfen (1,8-11)

(a) Gebrauche das Gesetz dem Gesetz gemäß
(b) um viele Übel zu überwinden
(a) gemäß diesem herrlichen Evangelium.

B' Christus überwindet letztenendes die Sünden (1,12-17)

(a) Mir ist Erbarmung widerfahren
(b) von Christus, obwohl ich der schlimmste der Sünder bin,
(a) ist mir Erbarmung widerfahren.

A' Halte am Glauben auch angesichts von falschen Lehrern fest. (1,18-20)

(a) Kämpfe angesichts von ihnen den guten Kampf,
(b) halte den Glauben und gutes Gewissen
(a) auch angesichts von Hymenäus und Alexander.

II. Gemeindliche Angelegenheiten (28 Verse)

C    Übt Fürbitte für politische Machthaber (2,1-8)
D    Das Schweigen der Frauen in der Gemeinde (2,9-15)
E-1 Die Berufung eines Gemeindeleiters (3,1-7)
E-2 Die Berufung eines Diakons (3,8-13)

 

III. Persönliche Erklärungen (19 Verse)

(a) Der Christologische Hymnus (3,14-16)
(b) Die prophetische Warnung vor falscher Lehre (4,1-5)
(b) Der Auftrag zum Dienst (4,6-11)
(a) Der Dienstauftrag des Timotheus bestätigt (4,12-16)

II. Gemeindliche Angelegenheiten weiter ausgeführt (27 Verse)

D-1 Die Behandlung alter Witwen in der Gemeinde (5,1-10)
D-2 Die Behandlung junger Witwen in der Gemeinde (5,11-16)
E'    Der Öffentlichkeitscharakter des Dienstes der Ältesten (5,17-25)
C'    Gehorsam gegenüber den Herren (6,1-2a)

 

I. Schluß (19 Verse)

A Lehre diese Dinge, denn abweichende Deinge sind verkehrt. (6,2b-5)

(a) Lehre und ermahne,
(b) die vielen Übel der Wortstreitereien
(a) meide.

B Zufriedene Selbstbescheidung, nicht Geld, ist Gewinn (6,6-10)

(a) Die Verehrung Gottes in bescheidener Zufriedenheit ist Gewinn.
(b) Wir können nichts aus dieser Welt heraus mitnehmen,
(a) laßt uns in Bescheidenheit zufrieden sein,
(a) Die reich sein wollen geraten in Fallstricke.
(b) Geldliebe ist eine Wurzel allen Übels.
(a) Wer um Reichtums willen vom Glauben abirrt, bereitet sich selbst viel Schmerzen.

A' Folge den Dingen, die gerecht sind. (6,11-16)

(a) Kämpfe den guten Kampf des Glaubens mit dem ewigen Leben vor Augen.
(b) Halte das Gebot
(a) um des einzigartigen Königs willen, der Unsterblichkeit hat.

B' Beeinflusse die Reichen dahingehend, daß sie reich in guten Werken werden. (6,17-21)

(a) Vertraut nicht auf ungewisse Reichtümer, sondern Gott.
(b) Seid reich an guten Werken.
(a) Bewahre das kostbare Gut, das dir anvertraut ist.

 

 

Eddy Lanz, Januar 2007

1 Nach Welch, J. W. <Hrsg.>, Chiasmus in Antiquity, Hildesheim, Gerstenberg Verlag, 1981, John W. Welch: Chiasmus in the New Testament, S. 226f. Übersetzung ins Deutsche von Lanz.

 

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