1. Der Inhalt des Römerbriefes

1-11 Das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung von jedem gläubigen Juden und Heiden, weil in ihm die Gerechtigkeit Gottes offenbart wird.

1,1-15 Briefeinleitung

1,1-7 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Der Apostel Paulus allen Geliebten Gottes und berufenen Heiligen zu Rom Gnade und Friede. 

1,8-15 Dank und Fürbitte für die Römer: Die römische Gemeinde war in aller Welt bekannt. Das macht Paulus dankbar. Er wünscht und betet, daß er nach Rom kommen kann.

1,16-17 Dies ist eine gute Zusammenfassung der Heilslehre von Röm 1-11: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: 'Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.'"

1,18-3,20 Alle Menschen, sowohl alle Heiden als auch alle Juden, sind unter der Sünde und damit dem Gericht Gottes verfallen.

1,18-32 Die Heiden sind unter der Sünde (vgl. 3,9). 

2,1-16 Gottes Gericht wird über Juden und Heiden gerecht ergehen: Wer Gute Werke tut, empfängt ewiges Leben, wer Schlechtes tut, Gottes Zorngericht.

2,1-3 Wer andere verurteilt, aber dasselbe tut, verdammt sich damit selbst.

2,4-11 Am Gerichtstag Gottes empfängt jeder nach seinen Werken, entweder ewiges Leben oder Gottes Zorngericht.

2,12-16 Alle Menschen, die sündigen, gehen mit oder ohne Gesetz verloren. Wenn wiedergeborene Heiden, ohne das Gesetz von Natur aus zu haben, es doch tun, sind sie sich selbst Gesetz.

2,17-3,20 Die Juden sind unter der Sünde (vgl. 3,9)

2,17-29 Ein das Gesetz übertretender beschnittener Jude verunehrt Gott, aber ein das Gesetz erfüllender äußerlich unbeschnittener Heide wird von Gott gelobt.

2,17-25 Ein beschnittener Jude, der zwar das Gesetz hat, es aber übertritt, verunehrt Gott und ist aus dem Bund der Beschneidung herausgefallen.

2,26-29 Ein unbeschnittener Heide, der das Gesetz erfüllt, gilt geistlich als beschnitten und wird von Gott gelobt.

3,1-9 Der Vorzug der Juden ist ihr Empfangen des Gotteswortes, zur Gerechtigkeit hilft ihnen das nichts.

3,9-20 Denn auch alle Juden stehen nach dem Urteil des Gotteswortes unter der Sünde und sind somit dem Tod verfallen.

3,21-5,21 Die Gerechtigkeit Gottes ist in Christus geoffenbart für die an ihn gläubigen Juden und Heiden unter Ausschluß der Gesetzeswerke.

3,21-26 Gott hat seine Gerechtigkeit in Christus geoffenbart, daß er gerecht ist und den an Christus gläubigen gerecht macht. 

3,21-25 Weil alle Menschen vor Gott schuldig sind und ihnen die lebensnotwendige Anerkennung Gottes fehlt, bleibt nur ein Weg der Erlösung, nämlich der aufgrund von Gnade durch den Glauben an Christi Sühnopfer am Kreuz. 

3,25-26: Gott ist gerecht: sein Innehalten gegenüber den Sünden der vergangen Zeiten war ein Innehalten aufs Kreuz hin. 

3,26: Gott macht gerecht, nicht durchs Gesetz, sondern allein durch den Glauben an Christus. 

3,27-4,25 Abraham und David belegen, daß Selbst-Ruhm und Gesetzeswerke ausgeschlossen sind und daß Juden und Heiden nur durch Gnade und Glauben gerecht werden. 

3,27-4,8 Ruhm und Gesetzeswerke sind ausgeschlossen, Gottes Gnade und der Glaube an ihn führen zum Gerechtsein vor Gott.

4,9-25 Abraham ist in seinem Glauben an Gottes Verheißung zum Vater der erlösten Juden und Heiden geworden.

5,1-11 Gerechtgemacht durch den Glauben haben wir Frieden mit Gott und rühmen uns der Hoffnung der Gottesherrlichkeiit, der Trübsale, ja Gottes selbst.

5,12-21 Adam und Christus stehen als Häupter zweier Menschheiten einander gegenüber: Adam brachte Sünde, Tod und Verdammnis über alle in Adam, Christus brachte Gnade, Leben und Rechtfertigung über alle in Christus.

6,1-8,39 Der Gläubige ist der Sünde und auch dem Gesetz gestorben. Er soll nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben. Sein jetziges Leben ist ein Leben mit Leiden in der gewissen Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit.

6,1-23 Gläubige sollen die Tatsache, daß sie unter der Gnade sind, nicht mißverstehen, daß sie damit die Erlaubnis hätten, weiter zu sündigen. Sie sind mit Christus gekreuzigt, gestorben, in der Taufe begraben und dann auch mit ihm zu einem neuen Leben auferstanden. Darum sind sie der Sünde abgestorben und sollen nun für Gott und in Gerechtigkeit leben. 

7,1-25 Das Gesetz kann nur auf Lebenszeit über einen Menschen herrschen. Durch ihre Einheit mit Christus in seinem Tod sind die Gläubigen dem Geltungsbereich des Gesetzes entstorben, damit sie durch die Einheit mit Christus in seinem Leben für ihn leben und Frucht bringen.  Das Fleisch ist nicht reformierbar und nicht zu bessern, die in ihm wohnende Sünde macht das unmöglich. Nur die Erlösung von dem Leibe des Todes bringt auch eine Erlösung von der Sündhaftigkeit. 

8,1-14 Darum gibt es kein Verdammungsurteil für diejenigen, die sich in Christus befinden. Aber die Gläubigen sind nun auch verpflichtet, sich vom Geist Gottes leiten zu lassen. Sie sollen nicht nach dem  Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist und die Werke des Fleisches töten. 


8,15-39 Wer den Geist Gottes empfängt, wird dadurch zum Kind Gottes und Miterben Christi. Ihr Weg führt wie bei Christus durch Leiden zur Herrlichkeit. Sie haben Anteil am Leiden dieser Weltzeit in Solidarität mit der gefallenen Schöpfung bis zum Offenbarung ihrer Kindschaft, der Erlösung ihres Leibes in der Auferstehung. Die gesamte Schöpfung sehnt sich nach diesem Tag, da auch sie frei werden wird von der Vergänglichkeit. Nichts kann die Auserwählten Gottes von der Liebe Gottes scheiden, alles muß ihnen zum Besten dienen.

9,1-11,36 Gottes Weg mit Israel

9,1-5 Paulus wünscht sich sehnlichst und erfleht die Errettung Israels.

9,6-16 Nicht alle leiblichen Israeliten sind Kinder Gottes, sondern nur die Kinder der Verheißung, d.h. die von Gott in seiner Gnade Auserwählten.

9,17-29 Gott erbarmt sich, wessen er will, und verstockt, welchen er will. Gott hat als Töpfer Macht, Gefäße des Zorns und Gefäße der Barmherzigkeit zu schaffen. So kam es, daß er einen Teil der Nachkommen Israels erwählt hat, nämlich einen Rest, und daß er gleicherweise aus den Heidennationen Menschen zu seinem Volk dazugesellt hat, die vorher nicht sein Volk waren.

9,30-10,21 Israel hat zwar dem Gesetz der Gerechtigkeit nachgetrachtet, aber als Volksganzes es nicht erreicht, weil es die Gerechtikgeit aufgrund der eigenen Werke suchte und nicht aufgrund des Glaubens an den Messias Jesus, dem Ziel des Gesetzes. Wenn man von Herzen an Jesus als auferstandenen Messias glaubt, so wird man gerecht. Wenn man mit dem Munde bekennt, daß Jesus der wahre Gott und Herr ist, dann wird man gerettet. Dieser rettende Glaube wird aus dem verkündigten Evangelium geboren.

11,1-10 Gott hat sein Volk Israel nicht verstoßen, denn es gibt einen von ihm aufgrund von Gnade auserwählten Rest, zu dem auch Paulus gehört.  Die anderen sind als Vergeltung für ihre Sünden zeitweilig verstockt.

11,11-32  Diese verstockten Israeliten sind nicht gestrauchelt, damit sie für immer fallen sollten, sondern durch ihren Fall wurde der Weg frei für die Evangelisierung aller Nationen. Temporär verstockte Israeliten können nun die zum lebendigen Gott bekehrten Heiden sehen und ihnen nacheifernd Jesus ebenfalls als Messias annehmen. Wenn die Fülle der Nationen zum Heil in Christus eingegangen sein wird, dann hört die zeitliche und teilweise Verstockung Israels auf und ganz Israel wird sich zum wiederkommenden Jesus als seinem Messias bekehren.

11,33-36 So wie Paulus seine Belehrung über Gottes Wege mit Israel flehend begann, so schließt er anbetend: Die Lehre von Gottes Erwählung und Erbarmen sprengt alles menschliche Denken, sie wird nur anbetend mit dem Herzen erfaßt und bestaunt.

12,1-15,13 Die Geretteten sollen sich dem Herrn weihen und ihm im praktischen Leben immer ähnlicher werden.

12,1-2 Diejenigen, die Gottes Erbarmungen erlebt haben, sollen diese mit völliger Hingabe an Gott beantworten und sich permanent umgestalten lassen.

12,3-13 Das Leben der Gläubigen in der Gemeinschaft der Gemeinde

12,14-13,7 Das Leben der Gläubigen in der Welt: Sie sollen ihre Feinde lieben (12,14-21) und der Obrigkeit untertan sein (13,1-7).

13,8-10 Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes Gottes und eine schuldige Pflicht für jeden Gläubigen.

13,11-14 Weil unser Heil nähergerückt ist, sollen wir schlechte Werke wie schmutzige Kleider ablegen und stattdessen Christus angezogen haben.

14,1-15,13 Die Starken im Glauben sollen auf die Schwachen im Glauben liebend Rücksicht nehmen. Aber es soll auch nicht zu einer Diktatur der Schwachen kommen, die trotz ihrer Schwäche ein starkes Auftreten haben. Es ist erlaubt, Fleisch zu essen und Wein zu trinken, und man kann auch alle Tage gleich halten. Aber die wichtigste Lebensregel für Gläubige ist, nach der Liebe zu handeln, seien sie nun schwach oder stark im Glauben.

15,14-16,27 Briefabschluß:

15,14-33 Paulus will nun mit der Kollekte für die Armen nach Jerusalem reisen, dann zu den Römern kommen, um schließlich mit ihrer Hilfe in Spanien zu missionieren.

16,1-24 Auch wenn der Apostel die Gemeinde in Rom noch nicht besucht hat, so zeigt die lange Grußliste doch sein vielen Verbindungen hin nach Rom.

16,25-27 Paulus schließt den Brief Gott preisend ab.

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1-6 Paulus ist der Verfasser.

1,6 Er schreibt allen Christen in Rom, die mehrheitlich Heidenchristen sind. Aber es gab auch Judenchristen, wie z.B. den in Röm 16,3 gegrüßten Aquila (vgl. Apg 18,2).

1,11-15 Paulus war noch nicht in der christlichen Gemeinde in Rom, will sie aber gerne kennenlernen und die Christen dort stärken. Der Wunsch, nach Rom zu reisen, war nach Apg 19,21 schon in Ephesus vorhanden. Siehe auch die Reisepläne in Röm 15,22-28.

12,12.14.17-18-21 + 13,1! Es gibt in diesen Versen Hinweise auf Verfolgungen, die aber noch nicht systematisch und umfassend, sondern erst noch sporadisch und mehr "zufällig" erscheinen. Es könnte aber auch ein erstes Brodeln gewesen sein, das schlimmere Ausbrüche ankündigte.

15,19-20.23-25.26 Von Jerusalem bis Illyrien hat Paulus das Evangelium verkündigt, seine missionarische Aufgabe in diesen Gebieten sieht er als erfüllt an. Da die Gemeinde in Rom von jemand anders gegründet wurde und Paulus nicht in fremde Arbeitsgebiete eingreifen will, war er verhindert nach Rom zu gehen. Aber nun möchte er über Jerusalem nach Rom und mit römischer Unterstützung dann nach Spanien, um dort ein neues Arbeitsgebiet zu eröffnen. Die Geldsammlung von Gemeinden aus Mazedonien und Achaja für die sozial schwachen unter den Christen in Jerusalem ist der Grund, warum Paulus erst nach Jerusalem will.

15,30-31 Paulus weiß, daß seine Jerusalemreise gefährlich werden kann und sucht deshalb um Fürbitte an.  Vergleiche auch die zuvor von die Schwierigkeiten, die Paulus zuvor in Apg 19 und 20,3 durchleiden mußte.

16,1 Phöbe, die wohl den Brief mitnahm, war im Dienst der Gemeinde zu Kenchreä, eines korinthischen Hafens. Von daher ist der Römerbrief wahrscheinlich in Korinth abgefaßt. Dazu paßt auch Vers:

16,23 Einen Gajus kennen wir aus 1 Kor 1,14: Der Name kommt häufig vor, aber Röm 16,1 als Hinweis auf Korinth in Verbindung mit dem in der Gemeinde so bekannten Gajus (meine und der ganzen Gemeinde Gastgeber) macht wahrscheinlich, daß es derselbe Gajus ist. Auch passen die anderen oben angeführten Begleitumstände des ganzen Römerbriefes gut zu dem Ende der sogenannten dritten Missionsreise des Paulus und dem Ort Korinth.

Zur Chronologie kann man feststellen, daß der Brief von Paulus auf dem Ende der dritten Missionsreise zu dem Zeitpunkt von Apg 20,2-3 abgefaßt worden ist, nach der Vollendung der Kollekte in Mazedonien und Achaja und damit auch nach dem 1. und 2. Korintherbrief, wahrscheinlich zeitlich dicht vor dem Aufbruch nach Jerusalem. Weil er die Römer nicht kannte, entfaltet er die ihm von Gott gegebene Schau des Evangeliums vor ihren Augen, so daß er damit seinen Rombesuch vorbereitet und die Gemeinde vielleicht auch gewinnt zur Unterstützung seiner geplanten Spanienmission.

1. Der Inhalt des 1. Korintherbriefes

1,1-3 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Paulus und Sosthenes der Gemeinde Gottes in Korinth Gnade und Friede.

1,4-9 Paulus dankt Gott dafür, daß die Korinther infolge der Predigt von Christus keinen Mangel an irgendeiner Gnadengabe haben und auf die Wiederkunft Christi warten.

1,10-4,21 Paulus argumentiert angesichts der Spaltungen in Korinth für Einheit und Einmütigkeit in Christus.

1,10-17 Überwindet die sich an Menschen orientierenden Spaltungen durch die Einheit in Christus!

1,18-25 Das für die Welt törichte Wort vom gekreuzigten Christus ist das von Gott erwählte Mittel zum Heil.

1,26-31 Gott erwählte in Korinth die Schwachen, Törichten, Niedrigen, Nichtsseienden, um das, was etwas ist,
zunichte zu machen, damit sich vor Gott kein Mensch rühmen kann.

2,1-5 Die Gemeinde in Korinth entstand ohne menschliche Weisheitsworte durch die Predigt vom gekreuzigten Christus durch die Kraft des Geistes trotz der Schwachheit, der Furcht und dem Zittern bei Paulus.

2,6-16 Trotz der Torheitsseite nach außen hat das Evangelium noch eine andere Weisheitsseite nach innen. Die den Geist Gottes empfangen haben, kennen ihren Reichtum, daß sie in Christus Jahwes Sinn haben!

3,1-23 Parteiungen nach Menschen sind Zeichen unreifen Christseins. Apollos oder Paulus sind nur Diener
Gottes auf seinem Acker oder seinem Bau. Jeder soll auf dem Fundament Christus die besten Materialien aufbauen auf den Gerichtstag des Herrn hin, dem alles und alle gehören.

4,1-5 Paulus will nur Diener und Haushalter Christi sein, der als treu erfunden beim Gericht Lob erhält.

4,6-13 Paulus wendet sich gegen eine die Schriftgrenzen überschreitende, leidenslose Theologie der Herrlichkeit (theologia gloriae). 

4,14-21 Paulus wirbt väterlich um die Korinther als seine geistlichen Kinder, aber er kann auch streng sein.

5,1-13 Zum Heil eines Unzüchtigen und zur Reinerhaltung der Gemeinde soll Gemeindezucht angewandt werden.

6,1-8 Die Gemeinde soll Streitfragen zwischen Christen schlichten und nicht heidnische Gerichte.

6,9-11 Ungerechte und Unzüchtige (u.a.) ererben das Reich Gottes nicht, aber Christen sind gereinigt.

6,12-20 Die Christen sind als Glieder am Leib Christi im Geist eins mit dem Herrn und Tempel des Heilgen Geistes und können von daher unmöglich Unzucht treiben. Sie sollen mit dem Leib Gott verherrlichen.

7,1-40 Wer geschlechtlich nicht enthaltsam leben kann, soll heiraten. Eine Ehescheidung soll nie von einem Gläubigen ausgehen. Beschnittene und Unbeschnittene sollen in ihrem Stand bleiben. Sklaven sind vollwertige Christen, können sie freiwerden, mögen sie es ergreifen. Es ist von Vorteil, wenn Jungfrauen oder Witwen um des Herrn willen ihren Stand bewahren, aber Heiraten ist keine Sünde.

8,1-10,32 Christen essen aus Liebe zu den Schwachen und um Dämonenkontakte zu vermeiden kein Götzenopfer.

8,1-13 Das Wissen, das die Götzen nicht existent sind, würde das Götzenopferessen erlauben, wenn ich nicht aus Liebe gegenüber einem Schwachem, der sein Gewissen dabei beflecken würde, verzichten müßte.

9,1-27 Paulus hat freiwillig auf sein Anrecht, von der Evangeliumsverkündigung zu leben und verheiratet zu sein, verzichtet und ist allen alles geworden, um möglichst viele zu retten. Bitte Nachahmen!

10,1-13 Auch die aus Ägypten geretteten Israeliten waren getauft und wurden wurden von Gott wunderbar genährt, kamen aber mehrheitlich auf grund von bösen Begierden, Götzendienst, Unzucht, den Herrn Versuchen und Murren um.

10,14-22 Man kann nicht im Abendmahl Gemeinschaft mit Christus und im Götzenopfer mit den Dämonen haben.

10,23-11,1 Das Götzenopfer hat keine magische Kraft in sich. Darum kann man alles auf dem Fleischmarkt oder bei einem Besuch Angebotene essen. Aber aus liebender Rücksicht wird man öfters verzichten.

11,2-16 Die Schöpfungsordnung Mann und Frau betreffend wird im Gottesdienst der Gemeinde nicht aufgehoben.

11,17-34 Spaltungen, profanes Essen und Trinken und lieblose Rücksichtslosigkeit passen nicht zum Charakter des Herrenmahles. Jeder soll sich prüfen und den Herrn bei diesem Mahl ehren. Der Herr unterstreicht die Heiligkeit des Abendmahles sogar mit züchtigendem Gericht.

12,1-31 Die geistlichen Gaben sind viele, gehen aber auf einen Geist zurück, der erkennbar ist an dem von ihm gewirkten Bekenntnis: "Jesus ist Herr". Alle Christen sind durch das Getauftwerden mit dem Heiligen Geist Glied an dem einen Leib Christi geworden und haben damit eine bestimmte Aufgabe.

13,1-13 Die Liebe krönt alle Geistesgaben, ohne sie ist alles nichtig. Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben.

14,1-40 Prophetische Rede übertrifft die Zungenrede, weil sie die Gemeinde verständlich erbaut. In der Zusammenkunft der Gemeinde sollen nur zwei bis drei Zungenredner sprechen, und das geordnet nacheinander und nur mit Ausleger. Propheten können zwei bis drei reden, die anderen sollen prüfen. Frauen sollen sich nicht am Prüfen der prophetischen Rede oder am Lehrgespräch beteiligen, damit sie sich nach dem Gesetz unterordnen, auch wenn sie nach 11,5 beten und prophetisch reden können.

15,1-58 Christus ist wahrhaftig auferstanden, in Erfüllung der Schrift und bestätigt von hunderten Augenzeugen. Ohne die Auferstehung ist der christliche Glauben leer, ohne Vergebung der Sünden und ohne Hoffnung. Die Auferstehung Christi zieht die Auferstehung der Seinen nach sich und ist Doppelpunkt zu seiner Herrschaft über den ganzen Kosmos und alle Gottesfeinde, wobei der letzte von ihm zu besiegende Feind der Tod ist. Der Auferstehungsleib übertrifft den jetzigen Leib bei weitem. Bei der letzten Posaune stehen die Toten auf, werden die Lebenden verwandelt und der Tod besiegt.

16,1-4 Am ersten Tag der Woche soll jeder freiwillig etwas für die Jerusalem-Sammlung zurücklegen.

16,5-24 Paulus erläutert seine Reisepläne, gibt letzte Ermahnungen und sendet verschiedene Grüße.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

 

1,1 Als Verfasser des Briefes werden Paulus und Sosthenes (Apg 18,17) genannt.

1,1 Der Vers nennt als Empfänger des Briefes die Gemeinde Gottes in Korinth, zieht aber auch eine Verbindungslinie zu allen Heiligen überall. Das stellt die Empfänger in die Gemeinschaft der weltweiten Kirche Gottes (vgl. auch 2 Kor 1,1). Zur Gründung der Gemeinde in Korinth siehe Apg 18,1-18.

1,11-12 Paulus empfing Informationen durch die Leute der Chloe. Dadurch wußte er von verschiedenen Problemen, die er im Brief anspricht, u.a. auch von den Spaltungen in Korinth (paulisch, apollisch, kephisch, christisch).

15,1-58 Zur Tatsache, daß die Auferstehungspredigt in Griechenland auf Schwierigkeiten stieß, vergleiche auch die Geschehnisse in Athen in Apg 17,32.

15,32 Ist dieser Vers mit dem Hinweis auf Kämpfe des Paulus in Ephesus auf dem Hintergrund von Apg 19 zu verstehen?

16,1 Paulus will die Geldsammlung (wie in Galatien!) für die Heiligen in Jerusalem/Judäa in guter organisierter Weise durchgeführt haben.

16,5 Die Reisepläne des Paulus sollen über Mazedonien nach Achaja führen (vgl. Apg 19,21).

16,6-7 Paulus denkt daran, vielleicht zum Überwintern in Korinth zu bleiben.

16,8-9 Ort der Abfassung des Briefes ist Ephesus, die Zeit ist vor Pfingsten. Paulus hat eine offene Tür fürs Evangelium, aber auch viele Widersacher.

16,10 Paulus hat Timotheus gesandt, dieser soll über Korinth mit Korintherunterstützung zu Paulus und den Brüdern zurückkommen (vgl. Apg 19,22: Timotheus u. Erastus nach

Mazedonien gesandt).

16,12 Paulus ermahnte Apollos, nach Korinth zu gehen, aber ohne Erfolg. Heißt das, daß Apollos also in Ephesus gewesen ist (vgl. Apg 18,24-19,1)?

16,15-18 Stephanas u.a. kamen (von Korinth?) nach Ephesus zu Paulus.

16,19 Die Gemeinden in Asien lassen grüßen, ebenso Aquila und Priska

16,21 Gruß des Paulus setzt wohl wie in Röm 16,22 einen Briefschreiber voraus.

Der 1 Kor ist vor dem Aufruhr des Demetrius in Apg 19,23ff abgefaßt. Pauli Plan war gewesen, bis Pfingsten in Ephesus zu bleiben (1 Kor 16,8), aber der Aufruhr wird diese Pläne geändert haben. Unser Vorschlag für die Chronologie wäre eine Abfassung Anfang AD 55.

 

3. Vorschlag für eine chiastische Struktur des 1. Korintherbriefes nach Welch1

 

I. Eingang des Briefes (1,1 -9)

II. Spaltungen in der Gemeinde in bezug auf die Leiterschaft: Die Lösung des Problems liegt in Christus, dem Gekreuzigten. (1,10-2,5)

III. Der Mensch soll sich vom Geist Gottes leiten lassen. (2,6-4,21)

(a) Die Denkweise Gottes wird durch den Geist allen denen zuteil, die bereit sind, sie zum empfangen (2,6-3,9).
(b) Jesus Christus ist das einzige und wahre Fundament (3,10-23).
(a') Alles, was wir haben, ist uns durch Apostel zuteil geworden, die wiederum nur Gottes treue Haushalter sind (4,1-21).

IV Sexuelle Probleme in der Gemeinde (5,1-7,40)

(a) Der Ausschluß von Unzüchtigen aus der Gemeinde (5,1-8)
(b) Die Vollmacht, richterlich zu urteilen (5,9-6,20)

(1) "Mir ist alles erlaubt" (6,12).
(2) "Wer der Hure anhängt, ist ein Leib mit ihr... Wer aber dem Herrn anhangt, ist ein Geist mit ihm" (6,16f)
(3) "Fliehet der Unzucht" (6,18)

(a') Ratschläge in bezug auf rechte sexuelle Beziehungen (7,1-40)

IV' Gottesdienstliche Probleme innerhalb der Gemeinde (8,1-11,34)

(a) Das Essen des Götzenofperfleisches (8,1-8)
(b) Vermeidung des Mißbrauches der Vollmacht, richterlich zu urteilen (8,9-10,33)

(3) "Fliehet den Götzendienst" (10,14)
(2) ,,Ihr könnt nicht zugleich trinken des Herren Kelch und der Teufel Kelch" (10,21).
(1) "Alles ist alles erlaubt, aber..." (10,23).

(a') Ratschläge in bezug auf rechten Gottesdienst und rechte Abendmahlsfeier (11,1- 34).

III'. Der Mensch soll sich vom vom Geist Gottes leiten lassen. (12,1-14,40)

(a) In Christus werden allen verschiedene Geistesgaben zuteil: Einheit in der Theorie (12,1-34).
(b) Liebe: die größte von allen Geistesgaben (13,1-13)
(a') Alle Geistesgaben haben ihren Platz in der Gemeinde Christi: Einheit in der Praxis ( 14,1-40).

II'. Spaltungen in der Gemeinde in bezug auf den Glauben an die Auferstehung: Die Lösung des Problems liegt in Christus, dem Auferstandenen (15,1-58).

I' Abschluß des Briefes (16,1-24).

 

Eddy Lanz, Januar 2007


 

1 Nach Welch, J. W. <Hrsg.>, Chiasmus in Antiquity, Hildesheim, Gerstenberg Verlag, 1981, John W. Welch: Chiasmus in the New Testament, S. 216-217. Übersetzung ins Deutsche mit leichter Überarbeitung von Lanz.

1. Der Inhalt des 2. Korintherbriefes

1,1-2 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Paulus und Timotheus der Gemeinde Gottes in Korinth und allen Christen in Achaja Gnade und Friede!

1,3-11 Gelobt sei Gott, der Vater, der Paulus aus lebensgefährlicher Lage in Asien errettet und ihn in Trübsal getröstet hat.

1,12-14 Paulus hat ein reines Gewissen in bezug auf die Motivation seiner Missionsarbeit in Korinth und anderenorts und in bezug auf seinen Lebenswandel.

1,15-2,4 Die Änderung seiner Reisepläne geschah nicht aus sündigen Gründen, sondern aus seiner Absicht heraus, die Korinther zu schonen.

2,5-11 Paulus fordert die Korinther auf, ein bestraftes und daraufhin bußfertiges Gemeindeglied mit viel Liebe, Zuspruch und Vergebung zu behandeln, damit es nicht in Traurigkeit untergehe und die Gemeinde nicht vom Verkläger übervorteilt werde.

2,12-13 Paulus erklärt die Umstände, welche die Abfassung des 2. Korintherbriefes veranlaßt haben: In Troas erlebte er Erweckung in seiner missionarischen Arbeit, ging aber dennoch wegen innerer Unruhe auf der Suche nach Titus nach Mazedonien. In 7,5 greift er den hier angefangenen Faden wieder auf.

2,14-3,6 Paulus freut sich über Gottes Segen auf seinem Verkündigungsdienst, der die Zuhörer in Gerettete und Verlorene teilt, wobei die Korinther, die durch seine Predigt den lebenspendenden Geist empfangen haben, dadurch ein in fleischerne Herzen geschriebener Brief Christi geworden sind.

3,7-18 Paulus sieht um der lebensschaffenden Wirkung des Geistes willen seinen Dienst als Apostel mit größerer Herrlichkeit ausgestattet als den Dienst des Mose, der den Willen Gottes nur in Stein übergeben, aber nicht durch den Geist die Herzen erneuern konnte. Der Dienst des Mose führte zum Tode und hatte eine vergängliche Herrlichkeit inne, angedeutet durch die Decke vor dem Angesicht, der Dienst der Evangeliumsverkündigung bringt das Leben und immer neue, verwandelnde, nicht endende Herrlichkeit im unverhüllten Anschauen des Herrn.

4,1-6 Der große Auftrag motiviert Paulus zu einem reinen Leben und zu großer Offenheit in der Predigt, mit der er Christus groß machen will und nicht sich selbst. Ist sein Evangelium einem Teil der Zuhörer verdeckt, so liegt das an dem Gott dieser Welt, der die Ungläubigen mit Blindheit schlägt. Gott schafft im Inneren der Erretteten Licht wie damals, als er die Welt machte.

4,7-18 Das Geheimnis christlicher Vollmacht heißt: Gottes Reichtum in unserer Armut, seine Kraft in unserer Schwachheit, seine Lebensmacht in unserer Kreuzes- und Sterbensnachfolge. Der Glaube öffnet auch noch im Sterben den das Heil predigenden Mund, da er nicht auf den äußeren, zerfallenden, todgeweihten Menschen sieht, sondern durch die tägliche Erneuerungserfahrung am inwendigen Menschen auf die heute noch unsichtbaren überdimensionalen Herrlichkeiten ewigen Lebens.

5,1-10 Das Beste für Paulus wäre, den himmlischen Lebensleib ohne vorherigen irdischen Tod zu empfangen, wonach er sich auch beständig mit Seufzen sehnt. Sein Leben im irdischen Leib bedeutet, fern von der Heimat beim Herrn zu sein. Er ist tief getrost und bereit zu Sterben und nach Hause zum Herrn zu gehen. Darum ist er eifrig bemüht, seinem Herrn zu gefallen, auch aus dem Grunde, weil er um das Gericht Christi über alle Menschen weiß.

5,11-21 Von der Gottesfurcht und der Liebe Christi motiviert, verkündigt Paulus das Evangelium vom Tod Christi für alle, durch welchen die Welt mit Gott versöhnt wurde und der einen Gläubigen von seinen Sünden ledig und zu einer neuen mit Gott versöhnten Schöpfung macht.

6,1-13 Als in vielen Lagen bewährter Diener Gottes bittet Paulus die Korinther darum, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen und seine herzliche Liebe zu ihnen entsprechend zu erwidern.

6,14-7,1 So gilt es, an Körper und Geist heilig zu leben, nicht finster mit Ungläubigen vereint.

7,2-16 Pauli Liebe wünscht nach Titus Bericht von der Reue in Korinth sich zuversichtlich ein Echo.

8,1-24 Paulus ermuntert die Korinther mit Hinweis auf die eifrigen Mazedonier, die versprochene Sammlung für die Jerusalemer Christen durchzuführen, und sendet dazu Titus mit anderen voraus.

9,1-15 Er ermutigt die schon länger bereiten Korinther, nun fröhlich im Aufblick zu Gott zu spenden.

10,1-18 Paulus wehrt sich gegen Verleumdungen und ist bereit zum Kampf in der Vollmacht Christi.

11,1-15 Das Evangelium der Lügenapostel mit anderem Geist und anderem Jesus ist teuflische Versuchung.

11,16-33 Pauli Dienst und Leidensfülle für Christus stellt die Falschapostel bei weitem in den Schatten.

12,1-10 Paulus wurden große Offenbarungen zuteil, aber auch schweres Leid, damit er nicht hochmütig würde, sondern sich an Christi Gnade genügen ließe, die über die Schwachheit zum Ziel kommt.

12,11-13,4 Paulus, der in Erweisung gottgewirkter Machttaten nicht geringer ist als die vermeintlichen “Superapostel” und der sich mit seinem missionarischen Team ethisch sauber verhalten hat, will zum dritten Mal nach Korinth kommen und wie ein Vater um seine Kinder kämpfen, indem er schonungslos in der Vollmacht Christi gegen sündige Zustände vorgehen will.

13,5-13 Paulus fordert die Korinther zur Selbstprüfung im Christsein auf, wobei er ihnen wünscht und für sie betet, daß sie tadellos seien, weswegen er ihnen auch schreibt. Briefschluß mit Segen.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1 Verfasser sind Paulus und Timotheus.

1,1 Sie schreiben an die Gemeinde Gottes zu Korinth und an alle Christen in ganz Achaja (Apg 20,1).

1,8 Es gab eine sehr schwierige lebensbedrohliche Problemsituation in Asien. Das wird wohl ein Hinweis auf den Aufruhr in Ephesus sein (Apg 19,23-40).

1,16-17 Paulus hatte seine ursprünglichen Reisepläne von 1 Kor 16,5-7 verworfen (allerdings setzt 2 Kor 12,14; 13,1 zwei Besuche des Paulus vor Abfassung des 2. Kor voraus).

1,23-2,4 Pauli Motiv bei der Reiseänderung war, die Korinther zu schonen.

2,3-4 Er hatte einen Tränenbrief geschrieben, anstatt nach Korinth zu reisen. Falls der Tränenbrief nicht der 1. Korintherbrief wäre, gäbe es möglicherweise vier Korintherbriefe: Brief A sei der in 1 Kor 5,9-11 erwähnt frühere Brief. Brief B sei dann unser 1. Korintherbrief, Brief C der Tränenbrief und Brief D dann unser 2. Korintherbrief. Allerdings könnte 1 Kor 5,9-11 auf den 1 Kor verweisen wie Gal 6,11 auf den Galaterbrief verweist. Und der Tränenbrief könnte sich auf den 1 Kor beziehen, dann hätten wir immer noch nur 2 Korintherbriefe des Paulus. Diese letztere Sicht ist m.E. vorzuziehen.

2,12-13 In Troas tat sich eine Tür auf für das Evangelium. Also war der Reiseweg ähnlich wie in Apg 16,11-12: Vom Hafen von Troas ging es nach Philippi. Aber weil Paulus keine Ruhe fand ohne Titus und seine erhofften Nachrichten von Korinth, darum brach Paulus nach Mazedonien auf (vgl. Apg 20,1-2).

2,14-3,3 In diesem Abschnitt beginnt ein Ton der Erleichterung. Er fand die Erleichterung aufgrund der Begegnung mit Titus und der guten Nachrichten über die Situation in Korinth, das wird aber erst in 7,4-10 deutlich gesagt. Die Nachrichten aus Korinth zeigen, daß die Korinther ein echter Brief Christi sind, durch Gottes Geist geschrieben.

6,11-13 Paulus redet die Korinther in Liebe als Kinder an.

7,4-7 An die Ankunft des Titus hatte Paulus wohl schon in 2,12-13 gedacht.

8,1-2 Die Geldsammlung in Mazedonien soll die Korinther anspornen.

8,6 Titus hatte eine Verantwortung in bezug auf die Kollekte für die Heiligen in Judäa.

8,10 Die Kollekte ist schon seit vorigem Jahr geplant (vgl. 1 Kor 16,1-4).

8,16-17 Titus ist voller Eifer bei der Sache.

8,18-20 Es könnte sein, daß der Bruder, dessen Lob am Evangelium durch alle Gemeinden geht, Lukas ist (vgl. Apg 16,10ff; 20,5f).

8,21-24 Es geht hier um von den Gemeinden als Begleiter bestimmte Brüder.

9,2 Achaja war schon voriges Jahr bereit, und zwar vor Abfassung des 1 Kor, der in 16,1-4 die Bereitschaft voraussetzt.

10,10 Der Ausdruck “seine Briefe” beinhaltet, daß mehrere Briefe schon bei Abfassung des 2. Korintherbriefes vorlagen.

10,16 Paulus will auch jenseits von Korinth das Evangelium predigen (vgl. Apg 19,21; Röm 15,19).

11,7-15 In Achaja hat Paulus gearbeitet, Mazedonien (= Gemeinde in Philippi, vgl. Phil 4,10.15-18) sandte ihm Unterstützung dorthin.

11,13-15.22 (und auch 12,11) Falsche Apostel zwingen Paulus dazu, Dinge zu schreiben, die er sonst nicht geschrieben hätte.

11,23-33 Dieser Abschnitt gibt Einblicke in persönliche leidvolle Erfahrungen des Paulus (vgl. z.B. Apg 9,24f mit den Versen 32-33).

12,2-10 Vor 14 Jahren wurde Paulus entrückt bis in den 3. Himmel, entrückt bis ins Paradies (Verse 2-4). Eine Folge dieser großartigen Erfahrungen war, daß Gott ihm körperliche Leiden schickte (einen Pfahl im Fleisch), damit er nicht hochmütig würde und damit als Apostel untauglich. Er weiß, daß er in Schwachheit stark ist aus Gottes Gnade.

12,12 Gott hat durch Paulus eines Apostels Zeichen in Korinth geschehen lassen.

12,14 Paulus plant zum dritten Mal (vgl. 13,1) nach Korinth zu kommen.

12,15 Paulus bekräftigt seine Liebe zu den Korinthern.

12,18 Paulus hat Titus und "den Bruder" (vgl. 8,6.16-18) nach Korinth gesandt.

13,2 Paulus erwähnt einen früheren zweiten Besuch in Korinth.

Paulus und Timotheus schrieben den 2. Korintherbrief von Mazedonien aus, bevor Paulus dann schließlich Korinth und Achaja besuchte. Nach unserem Chronologievorschlag wäre das im Spätfrühjahr / Sommer 55 AD.

 

1. Der Inhalt des Galaterbriefes

1,1-5 Briefkopf (Absender, Empfänger, Gruß): Paulus und alle bei ihm sich befindenden Brüder den Gemeinden in Galatien: Gnade und Friede!

1,6-10 Wenn jemand ein anderes Evangelium predigt, der sei verflucht!

1,11-2,10 Paulus ist mit dem von ihm verkündigten Evangelium nicht von Menschen abhängig, sondern direkt von Gott erwählter und bevollmächtigter Apostel. Seine persönliche Lebensgeschichte unterstreicht dies. Auch ist er von Petrus, Jakobus und Johannes anerkannt worden.

2,11-21 In Antiochia in Syrien hat Paulus öffentlich Petrus gegenüber deutlich gemacht, daß weder Juden noch Heiden durch das Einhalten des Gesetzes gerettet werden können, sondern alle nur durch den Glauben an Jesus Christus und seine Gnade und seine Erlösung.

3,1-5 Paulus rüttelt die Galater wach: Sie haben den Geist Gottes doch durch den Glauben gegenüber der Predigt vom gekreuzigten Christus empfangen und nicht durch die Beobachtung des Gesetzes.

3,6-9 Abraham wurde durch den Glauben gerecht und ist damit durch die Schrift aufgezeigtes Vorbild für die ebenfalls durch den Glauben gerecht gemachten und somit “in Abraham gesegneten” Heiden.

3,10-14 Das Gesetz mit seinen Werken steht im Gegensatz zum Wesen des Glau bens; der Fluch des Gesetzes trifft jeden auch nur teilweisen Übertreter. Darum mußte Christus durch seinen Tod am Holzkreuz Erlösung von dem Fluch des Gesetzes schaffen, damit der Segen Abrahams in Christus die Heiden erreichte und die Gläubigen den Geist empfingen.

3,15-24 Das Jahrhunderte später gestiftete Gesetz kann die vorher gegebene Verheißung und den Bund Gottes mit Abraham nicht aufheben. Es wurde als Pädagoge auf das Kommen Christi hin gegeben.

3,25-4,7 Mit dem Kommen Christi und dem Glauben an ihn sind die gläubigen Juden und Heiden mit Christus bekleidet worden, in Christus eins, zu Christus gehörig, damit Abrahams Kinder und Erben der Verheißung, mündig geworden, geistbegabt, nicht mehr unter dem Gesetz.

4,8-20 Wenn die Galater heidnischer Herkunft nun in das seit dem Kommen Christi heilsgeschichtlich überholte alttestamentliche Leben zurückfallen, so wäre damit die gesamte Arbeit des Paulus in ihrem Gebiet zunichte. In einem dramatischen Appell ringt Paulus um ihre Liebe und ihren Gehorsam.

4,21-31 In allegorischer Deutung macht das Gesetz selbst deutlich, daß der Gesetzesbund wie Hagar, Abrahams Sklavin, in die Sklaverei hineingebiert, der Verheißungsbund wie Sara jedoch in die Freiheit und Sohnesstellung.

5,1-15 Auf der Seite der Freiheit steht: Christus, die Sohnesstellung, Gottes Gnade, das Hoffnungsgut der Gerechtigkeit, der durch Liebe tätige Glaube und damit in der Liebesgebotserfüllung die Gesetzeserfüllung. Auf der Seite der Knechtschaft droht: mit der Beschneidung die zwangsweise Erfüllung des ganzen Gesetzes ohne Gnade und damit auch ohne Christus, ohne Kindschaft, ohne Geist und ohne Gerechtigkeit, wohl auch ohne Verfolgung um des Kreuzes willen, aber auch nur mit innerer Unruhe und gegenseitigem Auffressen.

5,16-26 Das Leben im Geist bringt zwar Freiheit vom Gesetz, aber mit der Frucht des Geistes nichts Widergesetzliches, sondern die innerste Gesetzeserfüllung aufgrund des Mit-Christus- Gekreuzigtseins und der daraus im Geisteswandel resultierenden Erledigung der Fleischeswerke. Das Leben nach dem Fleisch läßt mit den damit Hand in Hand gehenden Sünden des Reiches Gottes verlustig gehen.

6,1-10 Strauchelnde sollen mit Sanftmut und Demut wieder in Liebe aufgerichtet werden, Lehrende und alle Glaubensgenossen Gutes erfahren, bis hin zu allen Menschen, indem die Gläubigen Geist und damit Leben und nicht Fleisch und damit Verderben wählen.

6,11-18 Das Kreuz Christi scheidet die Geister und die Neue Schöpfung von der alten. Wer das Kreuz wählt, leidet Verfolgung von der Welt, aber empfängt von Gott Friede und Barmherzigkeit. Briefschluß mit Segen.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

Gal 1,1-2 Paulus und alle bei ihm sich befindenden Brüder den Gemeinden in Galatien. Liegen diese Gemeinden in Nord- oder Südgalatien? Nord- oder südgalatische Theorie?

1,6-7 “so bald" oder "so schnell”:  Die Irrlehrer (vgl. 4,17-18) sind in das Arbeitsgebiet von Paulus und seinem Team eingedrungen und haben wohl in zeitlicher Nähe zu den Gemeindegründungen eine zusätzliche Lehre gebracht, die Paulus als "anderes Evangelium" brandmarkt und unter den Fluch stellt. 

1,13-2,10 Dieser Abschnitt ist reich an biographischen Angaben: 

1,13.23 Paulus war Verfolger der Gemeinde Jesu Christi gewesen. 

1,15-17 Vom Bekehrungsort ging er nach Arabien und kam dann wiederum nach Damaskus. Also ist der Bekehrungsort wie in Apg 9 bei Damaskus. Für Arabienzeit gibt es hier keine Zeitangabe! Vgl. Apg 9,1-25.

1,18 Daraufhin nach drei Jahren kam Paulus nach Jerusalem: Er besuchte Kephas und lernte auch den Herrenbruder und Apostel (!) Jakobus kennen (siehe auch Apg 9,26-29).

1,21 Danach kam er nach Syrien und Cilicien (siehe Apg 9,30:  Tarsus in Cilicien). 

1,22-24 Er war den Gemeinden in Judäa unbekannt von Angesicht. 

2,1 Daraufhin kam er nach 14 Jahren wieder nach Jerusalem, und das mit Barnabas und Titus zusammen. Ist hier Apg 15,1ff oder 11,27-30 und 12,25 zu vergleichen?

2,2 Paulus besprach sich "mit ihnen" in bezug auf das Evangelium, d.h. besonders mit den angesehenen "Jakobus, Kephas (= Petrus) und Johannes" (Gal 2,9), damit seine Arbeit unter den Nichtisraeliten nicht kaputt gemacht würde.

2,4-5 Paulus spricht von "falschen Brüdern", die sich eingedrängt und eingemischt hatten und denen es zu widerstehen galt. Zu dieser Situation vergleiche die Forderung der Beschneidung von Heidenchristen als heilsnotwendig in Apg 15,5

2,6-10 Der für Paulus wichtige Mitarbeiter Titus wird leider in der Apg namentlich nicht erwähnt.

2,11-13 Paulus erwähnt das zweifelhafte und heuchlerische Verhalten von Kephas in Antiochia, wodurch auch Barnabas negativ mitbeeinflußt wurde. 

2,13 Die Leute, welche Schwierigkeiten verursachten, verstanden sich offensichtlich “von Jakobus” her, beriefen sich wahrscheinlich auf dessen Autorität (vgl. Apg 15,24). 

2,14-21 Paulus antwortete auf das Fehlverhalten von Petrus (und Barnabas) mit einer öffentlichen Konfrontation des Petrus vor allen, in der Paulus bekräftigte, daß Juden und Heiden nur durch den Glauben an Jesus gerechtfertigt werden und nicht durch des Gesetzes Werke. 

3,1 Hier erfahren wir von Paulus, daß er bei seiner Evangelisierung auch die Passionsgeschichte jeweils erzählte. “Unverständige Galater” ist geistlich gemeint und nicht auf die intellektuellen Fähigkeiten der Empfänger gemünzt (vgl. 1. Kor 2,14). 

4,8 Die Empfänger praktizierten früher Götzendienst. 

4,12-15 Schwachheit des Leibes: Hatte Paulus ein Augenleiden? Ist das "erste Mal" gleich "das frühere Mal", was ein 2. Mal voraussetzt?

4,17 Die Irrlehrer versuchten einen Keil zwischen Paulus und die von ihm gegründeten Gemeinden zu treiben.

5,7-12 Paulus gebrauchte scharfe Worte in bezug auf die Irrlehrer. Das Sauerteigbild erklärt, warum er ihnen gegenüber kompromißlos ist. 

5,15 Eine Frömmigkeit, die auf dem Fleisch basiert, wird immer mit "Beißen und Fressen" Hand in Hand gehen.

6,6 Dieser Vers könnte zusammen mit anderen Abschnitten in den Paulusbriefen (1. Kor 9,6ff; 1. Tim 5,17f) als Hinweis auf vollzeitige Arbeiter am Evangelium gesehen werden.

6,11 Die eigene Handschrift mit großen Buchstaben könnte mit 4,15 zusammen Hinweis auf ein Augenleiden des Apostels sein.

6,12-13 Die Irrlehrer machten die Beschneidung zur Pflicht. 

6,17 Die Malzeichen Jesu am Leib des Paulus könnten verheilte Wunden sein, vielleicht andauernde körperliche Leiden als Folgen der Steinigung von Apg 14,19.

Bei Annahme der südgalatischen Theorie gegenüber der nordgalatischen sind die Gemeinden schon in Apg 13 und 14 entstanden (Antiochien in Pisidien, Ikonion, Lystra und Derbe, siehe Apg 13,13; 14,24; 16,6; 18,23). Paulus könnte dann den Brief schon zum Zeitpunkt von Apg 15,1-3 abgefaßt haben, d.h. kurz vor dem Apostelkonzil (im Jahre 47). Abfassungsort könnte etwa z.B. Antiochien sein. Für diese frühe Abfassung spricht die Nichterwähnung des Beschlusses von Apg 15, der ja laut Apg 16,4 diesen Städten übergeben worden war. Eigentlich hätte der Beschluß den Galaterbrief überflüssig machen müssen. Dagegen spricht die Nichterwähnung des Barnabas in Gal 1,1, aber diese könnte auch in Gal 2,13 ihren Grund haben. In unserem Chronologievorschlag gehen wir von der südgalatischen Theorie aus.

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