Die Apostelgeschichte spricht verhältnismäßig häufig vom Heiligen Geist und seinem Wirken. Wegen der Aktualität der damit zusammenhängenden Fragen, scheint eine kurze Bestandsaufnahme angebracht. Die Vollmacht und Kraft Jesu in seinem öffentlichen Auftreten hing laut Apg 10,38 damit zusammen, daß “Gott ihn mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt” hatte. Auch der auferstandene Herr gab seinen auserwählten Aposteln “durch den Heiligen Geist Befehl” (1,2). Nach einer Zeit des Wartens auf das angekündigte Kommen des Heiligen Geistes (1,5.8), erfüllte sich zu Pfingsten diese Verheißung (2,3-4.17-18; vgl. Joel 3,1ff), wozu die Himmelfahrt Jesu die heilsgeschichtliche Voraussetzung war (2,33; vgl. Joh 16,7). Die persönliche Voraussetzung zum Empfang des Heiligen Geistes ist Bekehrung und Glaubensgehorsam (2,38; 5,32). Ein gottgewollter (Eph 5,18) Zustand für einen Jünger ist, daß er “mit dem Heiligen Geist erfüllt wird” (2,4; 4,8.31; 9,17; 13,9.52) oder “voll Heiligen Geistes” ist (6,3.5; 7,55; 11,24). Den Heiligen Geist zu belügen oder zu versuchen, kann schweres Gericht nach sich ziehen (5,3.9), ebenso können das unreine Motive dem Heiligen Geist gegenüber (8,19f). Es gibt ein fortwährendes Widerstreben gegen das Wirken des Heiligen Geistes (7,51). Der Heilige Geist hat durch Propheten im Alten Testament gesprochen (1,16; 4,25; 28,25). In der Apostelgeschichte sprach der Heilige Geist zu einzelnen, während sie allein waren (8,29; 10,19; 11,12), oder zu mehreren auf einmal (13,2; 20,23; 21,4?.11). Getreu der Verheißung Jesu (Lk 21,14-15; Mt 10,19-20) erlebten die Jünger einen besonderen Beistand des Heiligen Geistes bei der Verantwortung vor Gericht (4,8) und in Verfolgungssituationen (4,31; 7,55), aber auch allgemein bei der Verteidigung des Evangeliums vor Ungläubigen (6,10). Nachdem Samaria “das Wort Gottes angenommen” hatte (8,14), wurden Petrus und Johannes von der Apostelgemeinschaft zu den Gläubigen in Samarien gesandt, damit diese nach ihrem Gläubig- und Getauftwerden nun auch vermittels Gebet und Handauflegung durch die Apostel den Heiligen Geist empfingen (8,15.17.18). Die Entrückung des Philippus durch den Geist Gottes nach der Taufe des äthiopischen Kämmerers erinnert an ähnliche Wunder im alten Bund (1.Kg 18,12; 2.Kg 2,16). Der für die anwesenden gläubigen Juden sichtbare Empfang des Heiligen Geistes durch die gerade gläubiggewordenen Heiden im Hause des Kornelius diente als göttliche Bestätigung und Siegel dafür, daß Gott nun auch den Nationen die Möglichkeit der Umkehr gegeben hatte und daß Heidenchristen durch den Glauben vollgültig zur Gemeinde gehörten (10,44.45.47; 11,15.16; 15,8). Eine besondere Gruppe von “Jüngern” traf Paulus in Ephesus an: Sie waren gläubig, kannten aber nur die Taufe des Johannes und wußten noch nichts von dem Kommen des Heiligen Geistes (19,2). Nachdem sie auf den Namen Jesu getauft worden waren und Paulus ihnen die Hände auflegte, kam dann der Heilige Geist auf sie (19,6). Der Heilige Geist wirkt nicht nur in den einzelnen Christen, sondern auch in der Gemeinde insgesamt: Die Gemeinde wächst zahlenmäßig durch den “Trost” oder “Beistand” des Heiligen Geistes (9,31). Der Heilige Geist setzt die “Ältesten” als “Hirten” und “Aufseher” in der Gemeinde ein (20,17.28). Er half den Aposteln und Ältesten die Streitfrage, ob auch Heidenchristen das alttestamentliche Gesetz beachten sollten, zu lösen (15,28). Der Heilige Geist wirkt auch besonders auf die Erfüllung des Missionsbefehls hin: Er bevollmächtigt zur Zeugenschaft (1,8). Ja, er ist selber Zeuge (5,32). Er beruft Barnabas und Saulus (13,2) und sendet sie aus (13,4). Er bestimmt souverän die geographische Strategie der Ausbreitung des Evangeliums (16,6.7; in 16,7 scheint mit “Geist Jesu” auch der Heilige Geist gemeint zu sein, vgl. Röm 8,9.14).

Nach diesem Überblick scheint noch die kurze Besprechung folgender drei Einzelfragen von Interesse zu sein:

a) Bezeichnet der Ausdruck: “mit dem Heiligen Geist getauft werden” (1,5; 11,16) den Startpunkt des christlichen Lebens oder eine zweite, von der Wiedergeburt zu trennende Erfahrung (die eventuell vielleicht sogar öfters wiederholbar wäre)?

b) Was bedeuten in diesem Zusammenhang die Formulierungen “voll Heiligen Geistes sein” oder “erfüllt werden mit dem Heiligen Geist”?

c) Sind die Abschnitte Apg 8,12-17 und 19,1-7 biblische Belege dafür, daß es auch heute Christen geben kann, die zwar gläubig sind, aber den Heiligen Geist nicht empfangen haben?

Zu a): Dieser Ausdruck begegnet uns im Neuen Testament sieben Mal, sechs Mal davon in Zusammenhang mit der Gegenüberstellung: Johannes der Täufer tauft (nur) mit Wasser - Christus aber tauft mit dem Heiligen Geist (Mt 3,11; Mk 1,8; Lk 3,16; Joh 1,33; Apg 1,5; 11,16). Johannes repräsentiert hier noch die Zeit des Alten Bundes (Mt 11,11-14), dessen Prophetie sich in ihm noch einmal zu voller Größe erhebt, aber einzig und allein, um auf Christus hinzuweisen, den “Stärkeren”, der den “besseren Bund” (Hbr 7,22) bringt. Die Johannestaufe sollte das Volk des Alten Bundes als Taufe zur Buße für das Kommen des Messias und für den damit verbundenen Eintritt in den Neuen Bund vorbereiten (Mt 3,11; Joh 1,31). Diese Gegenüberstellung (mit Wasser getauft werden - mit dem Heiligen Geist getauft werden) nun macht den qualitätsmäßigen Unterschied zwischen Altem und Neuem Bund deutlich: Der Alte Bund mündet in die Wassertaufe des Johannes ein verbunden mit einem Bußruf zu Christus hin. Im Neuen Bund aber ist der Stärkere selbst da, Christus, der nicht nur mit Wasser, sondern mit dem Heiligen Geist tauft (1.Petr 1,10-12; 2.Kor 3). Von daher ergibt sich, daß jeder Christ schon mit dem Heiligen Geist getauft worden ist, wenn er wirklich Christ ist und Teilhaber am Neuen Bund, denn “wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein” (Röm 8,9). Dasselbe folgt auch aus der siebten Stelle, 1.Kor 12,13. Paulus spricht hier davon, daß wir “durch einen Geist alle zu einem Leib getauft worden sind”. Das “alle” schließt alle Christen ein. Wer nicht mit dem Heiligen Geist getauft worden ist, der gehört nicht zum Leib Christi, zur Gemeinde, d.h. der ist auch kein Christ. Manche Leute unterscheiden die sogenannte “Geistestaufe” als mitunter zeitlich von der Wiedergeburt zu trennen. Sie vertreten, daß man die “Geistestaufe” auch als eine “zweite Erfahrung” (oder auch wiederholt) erleben könne und daß dadurch die Christen zu einem noch vollmächtigeren, kraftvolleren und siegreicheren Leben befähigt würden. Der erste Korintherbrief weist allerdings in eine andere Richtung. Von 1.Kor 12,13 her ist das Getauftwerden mit dem Heiligen Geist wie die Wiedergeburt als Anfangserfahrung des Christen zu sehen. Beide Ausdrücke beschreiben den Startpunkt des christlichen Lebens, nur mit jeweils unterschiedlicher bildhafter Akzentsetzung: Bei “Wiedergeburt” liegt der Akzent auf dem Beginn des neuen, geistlichen Lebens und beim “Getauftwerden mit dem Heiligen Geist” in 1.Kor 12,13 auf der Vereinigung aller Christen zu dem einen geistlichen Leib des Christus. Die Tatsache, daß die Korinther zwar alle mit dem Heiligen Geist getauft worden waren und doch laut 1.Kor 3,1-4 von Paulus als mehrheitlich “fleischliche” Christen, als Babys, die nur Milch vertragen, bezeichnet werden, macht schließlich vollends deutlich: Der heute oft anzutreffende Sprachgebrauch des Begriffes “Geistestaufe”, bei welchem dem erst “nur” wiedergeborenen Christ nun durch die “Geistestaufe” als zweiter Erfahrung zu einem geistlichen, vollmächtigen Siegesleben verholfen wird, entspricht nicht dem Sprachgebrauch der Schrift und ist von daher abzulehnen. Schließlich bleibt noch zu vermerken, daß der Begriff “getauft werden mit dem Heiligen Geist” darauf hinweist, daß es sich hierbei um einen einmaligen Akt handelt, der nicht beliebig oft wiederholt werden kann.

Zu b): Im Unterschied dazu ist ein Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist des öfteren möglich, wie ein Vergleich des Personenkreises von Apg 2,4 und 4,31 zeigt (vgl. ebenso 2,4 mit 4,8; 9,17 mit 13,9; weitere Stellen: 13,52; Eph 5,18). Das Erfülltwerden kann zwar mit dem Getauftwerden im Heiligen Geist, was den Erlebniszeitpunkt betrifft, zusammenfallen (vgl. 2,4 mit 11,15-16), ist aber doch dem Wortgebrauch nach davon klar zu unterscheiden. Denn, wie gesagt, weist das Wort “taufen” auf ein einmaliges Ereignis hin, während sich das Erfülltwerden wiederholen kann. Und außerdem gab es das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist auch schon vor Pfingsten (Lk 1,15.41.67). Der Ausdruck “voll (Heiligen) Geistes” begegnet uns in den Evangelien nur in bezug auf Jesus (Lk 4,1) und im übrigen Neuen Testament nur in der Apostelgeschichte (6,3.5; 7,55; 11,24). Im Unterschied zum Verb (erfüllt werden) betont es wohl zusätzlich noch das Dauerhafte des Zustandes.

Zu c): Bei den Abschnitten 8,12-17 und 19,1-7 ist ein Erkennen des Übergangscharakters dieser Geschehnisse wichtig. In 8,12-17 wird Samaria zum ersten Mal mit dem Evangelium erreicht (Apg 1,8). Die bekannte Gegnernerschaft zwischen Juden und Samaritern (Joh 4,9) machte es notwendig, daß die Samariter gleich zu Beginn von Gott eindrücklich der Gesamtgemeinde eingegliedert würden, damit nicht etwa eine samaritanische “Sonderkirche” entstünde. Die Tatsache, daß die Samariter den Heiligen Geist erst empfangen konnten, nachdem die Apostel Petrus und Johannes von Jerusalem (!, nicht vom Garizim, vgl. Joh 4,20-22) gekommen waren, diente wohl als “Erziehungsmaßnahme” Gottes der Einheit der Gesamtgemeinde. Ferner ist in diesem Zusammenhang bedenkenswert, daß es immer wieder Petrus war, den Gott sozusagen die jeweils nächste Tür zur Ausbreitung des Evangeliums aufstoßen ließ: zu Pfingsten in Jerusalem, dann in Samarien im Gefolge des Philippus, dann in Cäsarea im Hause des Heiden Kornelius (Apg 1,8; 2,14; 8,14ff; 10,1ff).

In Apg 19,1-7 handelt es sich nun ebenfalls um einen Übergang: Die etwa 12 Männer waren zwar Jünger, sie waren gläubig, aber sie kannten nur die Taufe des Johannes und noch nicht die Taufe “auf den Namen des Herrn Jesus”. Ebenso wußten sie auch noch nichts von dem Kommen des Heiligen Geistes. Sie befanden sich, was ihre heilsgeschichtliche “Stufe” anbetrifft, bildlich anhand des Matthäusevangeliums ausgedrückt, irgendwo zwischen dem Auftreten des Täufers in Mt 3 und der Auferstehung und dem Taufbefehl Jesu in Mt 28. Paulus nahm sie sozusagen bei der Hand und brachte sie auf den aktuellen Stand, sie nahmen seine Verkündigung im Glauben an, ließen sich taufen und empfingen den Heiligen Geist. Wegen der einmaligen heilsgeschichtlichen Übergangssituation sowohl dieser etwa 12 Männer als auch der Samariter von Apg 8 darf man diesen Abschnitt nicht als biblischen Beleg dafür nehmen, daß es heute echte Christen geben könnte, die den Heiligen Geist noch nicht empfangen hätten.

 

Apg 1,3 Nach Kreuzigung Jesu (14. Nisan = 7. April) Auferstehungserscheinungen Jesu 40 Tage lang, danach Himmelfahrt 30 April/Mai
1,15 Etwa 120 Gläubige in Jerusalem erleben die Wahl des Matthias. 30 Mai
2,1.41 Pfingsten: 3000 Menschen werden gläubig. 30 Ende Mai
3,1+4,4 Nach der Heilung des Lahmen steigt auf die Predigt des Petrus hin die Zahl der gläubigen Männer auf etwa 5000. Die Verfolgung durch den Sanhedrin beginnt.  
6,1-7 Berufung von sieben diakonischen Männern wegen stark angewachsener Zahl der Gläubigen.  
6,8-8,4 Prozeß gegen Stephanus und erste blutige Christenverfolgung 30/31
8,5ff Erweckung in Samarien 30/31
8,26 Äthiopischer Finanzminister gläubig geworden. 30/31
9,1.9.20 Bekehrung des Paulus vor Damaskus 31
  Aufenthalt des Paulus in Arabien (Gal 1,17) 31-?.
9,23-25 Mordanschlag auf Paulus in Damaskus (2 Kor 11,32-33) 33
9,26-29 Erster Jerusalembesuch des Paulus (bei Petrus; Gal 1,18f) 33
9,30 Aufenthalt des Paulus zu Tarsus in Cilicien (11,25f; Gal 1,21) 33-43
9,31 Frieden für die Gemeinde in Judäa, Galiläa und Samarien 31-43/44
9,32-35 Erweckung durch Petrus in Lydda und Saron später als 8,1ff
9,36-43 Erweckung in Joppe durch Petrus, der einige Zeit dort bleibt. später als 8,1ff
10,1-11,18 Die Erwählung des Hauses des Kornelius signalisiert den zur Tat gewordenen Beginn der Heidenmission. später als 8,1ff
11,19 Entstehung von judenchristlichen Gemeinden in Phönizien, Cypern und Antiochia in Syrien später als 8,1ff
11,20-21 Große Erweckung unter Heiden in Antiochien durch Judenchristen von Cypern und Kyrene. später als 11,19
11,22-24 Sendung des Barnabas durch die Gemeinde in Jerusalem nach Antiochia. Zeit der Gemeindearbeit des Barnabas in Antiochia.  
11,25-26 Barnabas holt Paulus aus Tarsus in Cilicien nach Antiochia in Syrien (vgl. Gal 1,21). Beide arbeiten ein volles Jahr dort zusammen. 43-44
11,27-30 Propheten von Jerusalem besuchen die Gemeinde in Antiochia. Auf die Prophezeiung von Agabus hin beschließt die Gemeinde eine Hilfe für die Christen in Judäa und schickt diese durch Barnabas und Saulus (2. Jerusalem- = Hungerhilfebesuch; bei Gleichsetzung von Gal 2,1ff mit diesem Besuch kommt man bei inklusiver Rechnung der 14 Jahre ausgehend von 44 auf das Jahr 31 für die Bekehrung des Paulus). (Die prophezeite Hungersnot fand zwischen 44 und 48 statt.) 44
12,1-2 Christenverfolgung in Judäa. Ermordung des Jakobus durch Herodes Agrippa I. 43/44
12,3-19 Lebensgefahr für Petrus und seine wunderbare Befreiung 44 Passafest
12,19-23 Herodes Agrippa I. ist noch eine Zeit in Cäsarea und stirbt danach von Gott geschlagen. 44
12,24-25 Barnabas und Saulus kehren mit Johannes Markus aus Jerusalem nach Antiochia zurück (Markus = Vetter des Barnabas, Kol 4,10) 44
13,1-3 Aussonderung des Barnabas und Saulus durch die Gemeinde in Antiochia auf Befehl des Heiligen Geistes 45
13,4-13 Mission auf Zypern (vgl. Apg 4,36; 11,20): Salamis, dann ganze Insel durchzogen, schließlich Paphos 45
13,13 In Perge im Land Pamphylien wird Markus in irgendeiner Weise schwach (vgl. 15,38) und kehrt nach Jerusalem zurück.  
13,14-51 Erweckung in Antiochia im Lande Pisidien und Ausbreitung des Evangeliums in der ganzen Gegend (V.49!).  
13,51-14,6 Erweckung in Ikonion (V.3: einige Zeit dort)  
14,6-7 Flucht aus Ikonion nach Lystra und Derbe und überhaupt in die lykaonische Gegend,  
14,8-20 Evangelisation in Lystra, synkretistische Tendenzen bei den Heiden. Steinigung des Paulus auf Veranlassung durch Juden von Antiochia (in Pisidien) und Ikonion.  
14,20-21 Evangelisation in Derbe, Bekehrung vieler Menschen.  
14,21-23 Nacharbeit in den bereits erreichten Städten Lystra, Ikonion und Antiochia. Einsetzung von Ältesten in jeder Gemeinde.  
14,24-25 Rückkehr durch Pisidien nach Pamphylien, Verkündigung in Perge.  
14,25-26 Rückreise per Schiff von Attalia nach Antiochia in Syrien. 46
14,27 Bericht über die “erste Missionsreise” in Antiochia. 46
14,28-15,2 Längerer Aufenthalt in der Gemeinde. Kephas in Antiochia (Gal 2,11ff), Besuch einiger sich von Jakobus her verstehender judaisierender Lehrer (Gal 2,12). Beschneidung als heilsnotwendig gelehrt in Antiochia und wohl auch in den südgalatischen auf der ersten Missionsreise gegründeten Gemeinden. 46-47
  Abfassung des Galaterbriefes 47
15,3 Auf der Reise nach Jerusalem berichten Paulus und Barnabas in phönizischen und samaritanischen Gemeinden von der “ersten Missionsreise” und lösen große Freude aus.  
15,4-29 Das sogenannte Apostelkonzil in Jerusalem 47
15,30-34 Judas und Silas übergeben zusammen mit Barnabas und Paulus den Beschluß des Heiligen Geistes, der Apostel und Ältesten und bleiben eine Zeitlang in Antiochia. 47
15,35-36 Paulus und Barnabas arbeiten zusammen wieder eine Weile in Antiochia. 47/48?
15,36-39 Paulus und Barnabas entzweien sich über Johannes Markus und teilen ihr Team auf: Barnabas und Markus gehen nach Cypern. 47/48?
15,40-41 Paulus nimmt Silas mit auf die “zweite Missionsreise” und zieht zuerst durch Syrien und Cilicien (vgl. Gal 1,21), um dort bestehende Gemeinden zu stärken. 47/48?
16,1-3 In Derbe und Lystra angekommen, findet Paulus in Timotheus bewährten Christen und verheißungsvollen neuen Mitarbeiter. 48
16,4-5 Paulus und Silas übergaben die Satzung in den besuchten Gemeinden. Gemeindewachstum war die Folge.  
16,6 Sie durchzogen das phrygisch-galatische Gebiet, während ihnen vom Heiligen Geist verwehrt wurde, in Asien zu predigen.  
16,7 In Mysien angelangt, wollten sie Richtung Bithynien reisen, wurden aber wieder vom Geist Jesu gehindert, woraufhin sie nach Troas kamen.  
16,8-11 Gott ruft das Team des Paulus von Troas nach Mazedonien, der Verfasser der Apg ist mit dabei (16,10ff = erster Wir-Bericht). 48
16,12-40 Gründung der Gemeinde in Philippi (V.18: viele Tage dort). Verfolgung und kurzer Gefängnisaufenthalt.  
17,1-10 Gründung der Gemeinde in Thessalonich. Verfolgung.  
17,10-14 Gründung der Gemeinde in Beröa. Verfolgung.  
17,14 Silas und Timotheus bleiben in Beröa, Paulus reist nach Athen.  
17,15 Silas und Timotheus sollte so schnell wie möglich nachkommen.  
17,16-34 Paulus gewinnt in Athen einige für den Glauben an Jesus.  
18,1-4 Paulus kommt nach Korinth und wohnt mit Aquila und Priscilla zusammen, die (im Jahr 49) bei der Vertreibung aller Juden aus Rom durch Kaiser Klaudius mitbetroffen waren und daher erst kürzlich nach Korinth gekommen waren. Predigt in der Synagoge. Ende 49/Anfang 50
18,5 In etwa Zeitpunkt der Abfassung des 1. Thessalonicherbriefes 50 Frühjahr
18,5-11 Intensive Verkündigungsphase des Paulus in Korinth, Gründung der Gemeinde, große Erweckungszeit.  
  Abfassung des 2. Thessalonicherbriefes 50 Herbst
18,12-17 Unter Gallio (1. Juli 51-1. Juli 52) wird Paulus verklagt. 51 Juli/August/September?
18,18 Nach dem Galliovorfall noch eine Zeit in Korinth, dann Abreise nach Syrien mit Priscilla und Aquila. Gelübde des Paulus. 51
18,19-21 Priscilla und Aquila bleiben in Ephesus, Paulus erklärt in der Synagoge seine Bereitschaft später noch einmal zu kommen. 51
18,22 Cäsarea, Jerusalem, Antiochia in Syrien  
18,23 Paulus eine Zeitlang in der Gemeinde in Antiochia 51-52
18,23 Beginn der sogenannten “dritten Missionsreise”: Zuerst gemeindestärkende Besuche im galatisch-phrygischen Gebiet. 52 Frühjahr
18,24-27 Apollos kommt nach Ephesus, verkündigt Jesus in der Synagoge und wird durch Priscilla und Aquila lehrmäßig weitergebracht. 51/52
18,27-28 Apollos in der Gemeinde in Korinth (währenddessen Paulus in Ephesus Apg 19,1) 52
19,1-8 Erste dreimonatige Verkündigungsphase in der Synagoge in Eph. 52 Sommer
19,9-20 Zwei Jahre Verkündigung in der Schule des Tyrannus mit Ausstrahlung in der ganzen Landschaft Asien. 52 Herbst - 54 Herbst
19,21 Plan durch Mazedonien und Achaja zu ziehen, um danach nach Jerusalem zu reisen und schließlich nach Rom. nach 54 Herbst
19,22 Sendung von Timotheus und Erastus nach Mazedonien. Paulus blieb noch in Ephesus. 54 Herbst
  Abfassung des 1. Korintherbriefes (vgl. 1 Kor 16,5-10) 55 Anfang
19,23-20,1 Aufruhr des Demetrius 55 Spätfrühjahr/Sommer
20,1 Paulus ermahnt die Brüder (vgl. 1 Tim 1,3) und reist ab von Ephesus Richtung Mazedonien (laut Apg 20,31 nach 3 Jahren) 55 Spätfrühjahr/Sommer
20,1 Nach 2 Kor 2,12-13 ging die Reise über Troas (vgl. Apg 16,11- 12), wo es eine offene Tür für Paulus gab. 55 Spätfrühjahr/Sommer
20,2 Abfassung des 1. Timotheusbriefes (in Troas oder Mazedonien) 55 Spätfrühjahr/Sommer
20,2 Verkündigung in Mazedonien, Besorgung der Kollekte 55 Spätfrühjahr/Sommer
  Abfassung des 2. Korintherbriefes 55 Spätfrühjahr/Sommer
  Abfassung des Titusbriefes 55 August/September
20,2 Dreimonatiger Aufenthalt in Griechenland 55-56 Überwinterung
  Abfassung des Römerbriefes 56 Anfang
20,3 Anschlag auf Paulus gescheitert, Rückreise über Mazedonien 56 Frühjahr
20,4 Sopater, Aristarchus, Sekundus, Gajus, Timotheus, Tychikus, Trophimus warteten schon in Troas auf Paulus und den Verfasser der Apostelgeschichte (2. Wir-Bericht ab 20,5ff: Philippi!)  
20,6-12 Paulus und Lukas fuhren nach dem Passa per Schiff von Philippi ab, kamen am 5. Tag in Troas an und blieben dort eine Woche. 56 nach Passafest
20,13-15 Troas, Assos, Mitylene, Chios, Samos, Milet 56 vor Pfingsten
20,16-38 In Milet: Rede des Paulus zu den Ältesten von Ephesus, Abschluß seiner Arbeit dort, Abschied für immer.  
21,1-3 Kos, Rhodus, Patara, an Cypern vorbei, Tyrus  
21,4-6 7 Tage in Tyrus: Paulus wird gewarnt.  
21,7-8 Tyrus, Ptolemais, Cäsarea  
21,8-15 Einige Tage im Haus des Evangelisten Philippus, Weissagung des Agabus  
21,15-26 Ankunft in Jerusalem, Begegnung mit Jakobus und den Ältesten 56 Spätfrühjahr
21,27-22,29 Beinahemord an Paulus, weil er angeblich den Epheser Trophimus in den Tempel geführt hätte. Gefangennahme des Paulus  
22,30-23,10 Paulus vor dem Hohen Rat  
23,11 Der Herr verheißt dem Paulus Rettung und Zeugenschaft in Rom.  
23,12-35 Mordverschwörung gegen Paulus, seine Schutzhaft in Cäsarea, im Prätorium des Herodes  
24,1-21 Gerichtsverhandlung gegen Paulus vor dem Prokurator Felix  
24,22-27 Gerichtsverschleppung unter Felix. Zwei Jahre Gefängnis in Cäsarea, mit der Möglichkeit, daß die Seinen dem Paulus dienen. 56 Frühsommer - 58 Sommer
  Abfassung des Philipperbriefes 56 Sommer
  Abfassung des Kolosserbriefes 56 Sommer
  Abfassung des Philemonbriefes 56 Sommer
  Sendung des Timotheus 56 Sommer
  Abfassung des Epheserbriefes 56 Sommer
  Kol, Phm, Eph mit Tychikus + Onesimus geschickt.  
  Abfassung des 2. Timotheusbriefes in Cäsarea? (Alternative: später in Rom) 56 Sommer?
24,27 Porcius Festus kommt als Nachfolger für Felix . 58 Sommer
25,1-12 Gerichtsverhandlung vor Festus. Paulus beruft sich auf den Kaiser.  
25,13-26,32 Nach einer gewissen Anzahl von Tagen muß sich Paulus vor König Agrippa verteidigen.  
27,1-12 Schiffahrt (Paulus, Lukas, Aristarchus u.a.): Sidon, Myra, Knidus, Gutfurt auf Kreta: Fastenzeit schon vorüber. 58 Herbst
27,13-44 Sturm und Schiffbruch bei “Melite”  
28,1-11 Drei Monate auf “Melite” 58-59 Winter
28,12-15 Syrakus, Regium, Puteoli, Forum Appii und Tres Tabernä  
28,16-31 Zwei Jahre Gefangenschaft des Paulus in Rom in seiner eigenen Mietwohnung (jeweils mit einem Soldaten, der ihn bewachte) 59 Frühjahr - 61 Frühjahr
  Abfassung des 2. Timotheusbriefes in Rom? (Alternative: früher in Cäsarea) 60 Herbst?

 

1. Der Inhalt des Römerbriefes

1-11 Das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung von jedem gläubigen Juden und Heiden, weil in ihm die Gerechtigkeit Gottes offenbart wird.

1,1-15 Briefeinleitung

1,1-7 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Der Apostel Paulus allen Geliebten Gottes und berufenen Heiligen zu Rom Gnade und Friede. 

1,8-15 Dank und Fürbitte für die Römer: Die römische Gemeinde war in aller Welt bekannt. Das macht Paulus dankbar. Er wünscht und betet, daß er nach Rom kommen kann.

1,16-17 Dies ist eine gute Zusammenfassung der Heilslehre von Röm 1-11: "Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: 'Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.'"

1,18-3,20 Alle Menschen, sowohl alle Heiden als auch alle Juden, sind unter der Sünde und damit dem Gericht Gottes verfallen.

1,18-32 Die Heiden sind unter der Sünde (vgl. 3,9). 

2,1-16 Gottes Gericht wird über Juden und Heiden gerecht ergehen: Wer Gute Werke tut, empfängt ewiges Leben, wer Schlechtes tut, Gottes Zorngericht.

2,1-3 Wer andere verurteilt, aber dasselbe tut, verdammt sich damit selbst.

2,4-11 Am Gerichtstag Gottes empfängt jeder nach seinen Werken, entweder ewiges Leben oder Gottes Zorngericht.

2,12-16 Alle Menschen, die sündigen, gehen mit oder ohne Gesetz verloren. Wenn wiedergeborene Heiden, ohne das Gesetz von Natur aus zu haben, es doch tun, sind sie sich selbst Gesetz.

2,17-3,20 Die Juden sind unter der Sünde (vgl. 3,9)

2,17-29 Ein das Gesetz übertretender beschnittener Jude verunehrt Gott, aber ein das Gesetz erfüllender äußerlich unbeschnittener Heide wird von Gott gelobt.

2,17-25 Ein beschnittener Jude, der zwar das Gesetz hat, es aber übertritt, verunehrt Gott und ist aus dem Bund der Beschneidung herausgefallen.

2,26-29 Ein unbeschnittener Heide, der das Gesetz erfüllt, gilt geistlich als beschnitten und wird von Gott gelobt.

3,1-9 Der Vorzug der Juden ist ihr Empfangen des Gotteswortes, zur Gerechtigkeit hilft ihnen das nichts.

3,9-20 Denn auch alle Juden stehen nach dem Urteil des Gotteswortes unter der Sünde und sind somit dem Tod verfallen.

3,21-5,21 Die Gerechtigkeit Gottes ist in Christus geoffenbart für die an ihn gläubigen Juden und Heiden unter Ausschluß der Gesetzeswerke.

3,21-26 Gott hat seine Gerechtigkeit in Christus geoffenbart, daß er gerecht ist und den an Christus gläubigen gerecht macht. 

3,21-25 Weil alle Menschen vor Gott schuldig sind und ihnen die lebensnotwendige Anerkennung Gottes fehlt, bleibt nur ein Weg der Erlösung, nämlich der aufgrund von Gnade durch den Glauben an Christi Sühnopfer am Kreuz. 

3,25-26: Gott ist gerecht: sein Innehalten gegenüber den Sünden der vergangen Zeiten war ein Innehalten aufs Kreuz hin. 

3,26: Gott macht gerecht, nicht durchs Gesetz, sondern allein durch den Glauben an Christus. 

3,27-4,25 Abraham und David belegen, daß Selbst-Ruhm und Gesetzeswerke ausgeschlossen sind und daß Juden und Heiden nur durch Gnade und Glauben gerecht werden. 

3,27-4,8 Ruhm und Gesetzeswerke sind ausgeschlossen, Gottes Gnade und der Glaube an ihn führen zum Gerechtsein vor Gott.

4,9-25 Abraham ist in seinem Glauben an Gottes Verheißung zum Vater der erlösten Juden und Heiden geworden.

5,1-11 Gerechtgemacht durch den Glauben haben wir Frieden mit Gott und rühmen uns der Hoffnung der Gottesherrlichkeiit, der Trübsale, ja Gottes selbst.

5,12-21 Adam und Christus stehen als Häupter zweier Menschheiten einander gegenüber: Adam brachte Sünde, Tod und Verdammnis über alle in Adam, Christus brachte Gnade, Leben und Rechtfertigung über alle in Christus.

6,1-8,39 Der Gläubige ist der Sünde und auch dem Gesetz gestorben. Er soll nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben. Sein jetziges Leben ist ein Leben mit Leiden in der gewissen Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit.

6,1-23 Gläubige sollen die Tatsache, daß sie unter der Gnade sind, nicht mißverstehen, daß sie damit die Erlaubnis hätten, weiter zu sündigen. Sie sind mit Christus gekreuzigt, gestorben, in der Taufe begraben und dann auch mit ihm zu einem neuen Leben auferstanden. Darum sind sie der Sünde abgestorben und sollen nun für Gott und in Gerechtigkeit leben. 

7,1-25 Das Gesetz kann nur auf Lebenszeit über einen Menschen herrschen. Durch ihre Einheit mit Christus in seinem Tod sind die Gläubigen dem Geltungsbereich des Gesetzes entstorben, damit sie durch die Einheit mit Christus in seinem Leben für ihn leben und Frucht bringen.  Das Fleisch ist nicht reformierbar und nicht zu bessern, die in ihm wohnende Sünde macht das unmöglich. Nur die Erlösung von dem Leibe des Todes bringt auch eine Erlösung von der Sündhaftigkeit. 

8,1-14 Darum gibt es kein Verdammungsurteil für diejenigen, die sich in Christus befinden. Aber die Gläubigen sind nun auch verpflichtet, sich vom Geist Gottes leiten zu lassen. Sie sollen nicht nach dem  Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist und die Werke des Fleisches töten. 


8,15-39 Wer den Geist Gottes empfängt, wird dadurch zum Kind Gottes und Miterben Christi. Ihr Weg führt wie bei Christus durch Leiden zur Herrlichkeit. Sie haben Anteil am Leiden dieser Weltzeit in Solidarität mit der gefallenen Schöpfung bis zum Offenbarung ihrer Kindschaft, der Erlösung ihres Leibes in der Auferstehung. Die gesamte Schöpfung sehnt sich nach diesem Tag, da auch sie frei werden wird von der Vergänglichkeit. Nichts kann die Auserwählten Gottes von der Liebe Gottes scheiden, alles muß ihnen zum Besten dienen.

9,1-11,36 Gottes Weg mit Israel

9,1-5 Paulus wünscht sich sehnlichst und erfleht die Errettung Israels.

9,6-16 Nicht alle leiblichen Israeliten sind Kinder Gottes, sondern nur die Kinder der Verheißung, d.h. die von Gott in seiner Gnade Auserwählten.

9,17-29 Gott erbarmt sich, wessen er will, und verstockt, welchen er will. Gott hat als Töpfer Macht, Gefäße des Zorns und Gefäße der Barmherzigkeit zu schaffen. So kam es, daß er einen Teil der Nachkommen Israels erwählt hat, nämlich einen Rest, und daß er gleicherweise aus den Heidennationen Menschen zu seinem Volk dazugesellt hat, die vorher nicht sein Volk waren.

9,30-10,21 Israel hat zwar dem Gesetz der Gerechtigkeit nachgetrachtet, aber als Volksganzes es nicht erreicht, weil es die Gerechtikgeit aufgrund der eigenen Werke suchte und nicht aufgrund des Glaubens an den Messias Jesus, dem Ziel des Gesetzes. Wenn man von Herzen an Jesus als auferstandenen Messias glaubt, so wird man gerecht. Wenn man mit dem Munde bekennt, daß Jesus der wahre Gott und Herr ist, dann wird man gerettet. Dieser rettende Glaube wird aus dem verkündigten Evangelium geboren.

11,1-10 Gott hat sein Volk Israel nicht verstoßen, denn es gibt einen von ihm aufgrund von Gnade auserwählten Rest, zu dem auch Paulus gehört.  Die anderen sind als Vergeltung für ihre Sünden zeitweilig verstockt.

11,11-32  Diese verstockten Israeliten sind nicht gestrauchelt, damit sie für immer fallen sollten, sondern durch ihren Fall wurde der Weg frei für die Evangelisierung aller Nationen. Temporär verstockte Israeliten können nun die zum lebendigen Gott bekehrten Heiden sehen und ihnen nacheifernd Jesus ebenfalls als Messias annehmen. Wenn die Fülle der Nationen zum Heil in Christus eingegangen sein wird, dann hört die zeitliche und teilweise Verstockung Israels auf und ganz Israel wird sich zum wiederkommenden Jesus als seinem Messias bekehren.

11,33-36 So wie Paulus seine Belehrung über Gottes Wege mit Israel flehend begann, so schließt er anbetend: Die Lehre von Gottes Erwählung und Erbarmen sprengt alles menschliche Denken, sie wird nur anbetend mit dem Herzen erfaßt und bestaunt.

12,1-15,13 Die Geretteten sollen sich dem Herrn weihen und ihm im praktischen Leben immer ähnlicher werden.

12,1-2 Diejenigen, die Gottes Erbarmungen erlebt haben, sollen diese mit völliger Hingabe an Gott beantworten und sich permanent umgestalten lassen.

12,3-13 Das Leben der Gläubigen in der Gemeinschaft der Gemeinde

12,14-13,7 Das Leben der Gläubigen in der Welt: Sie sollen ihre Feinde lieben (12,14-21) und der Obrigkeit untertan sein (13,1-7).

13,8-10 Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes Gottes und eine schuldige Pflicht für jeden Gläubigen.

13,11-14 Weil unser Heil nähergerückt ist, sollen wir schlechte Werke wie schmutzige Kleider ablegen und stattdessen Christus angezogen haben.

14,1-15,13 Die Starken im Glauben sollen auf die Schwachen im Glauben liebend Rücksicht nehmen. Aber es soll auch nicht zu einer Diktatur der Schwachen kommen, die trotz ihrer Schwäche ein starkes Auftreten haben. Es ist erlaubt, Fleisch zu essen und Wein zu trinken, und man kann auch alle Tage gleich halten. Aber die wichtigste Lebensregel für Gläubige ist, nach der Liebe zu handeln, seien sie nun schwach oder stark im Glauben.

15,14-16,27 Briefabschluß:

15,14-33 Paulus will nun mit der Kollekte für die Armen nach Jerusalem reisen, dann zu den Römern kommen, um schließlich mit ihrer Hilfe in Spanien zu missionieren.

16,1-24 Auch wenn der Apostel die Gemeinde in Rom noch nicht besucht hat, so zeigt die lange Grußliste doch sein vielen Verbindungen hin nach Rom.

16,25-27 Paulus schließt den Brief Gott preisend ab.

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1-6 Paulus ist der Verfasser.

1,6 Er schreibt allen Christen in Rom, die mehrheitlich Heidenchristen sind. Aber es gab auch Judenchristen, wie z.B. den in Röm 16,3 gegrüßten Aquila (vgl. Apg 18,2).

1,11-15 Paulus war noch nicht in der christlichen Gemeinde in Rom, will sie aber gerne kennenlernen und die Christen dort stärken. Der Wunsch, nach Rom zu reisen, war nach Apg 19,21 schon in Ephesus vorhanden. Siehe auch die Reisepläne in Röm 15,22-28.

12,12.14.17-18-21 + 13,1! Es gibt in diesen Versen Hinweise auf Verfolgungen, die aber noch nicht systematisch und umfassend, sondern erst noch sporadisch und mehr "zufällig" erscheinen. Es könnte aber auch ein erstes Brodeln gewesen sein, das schlimmere Ausbrüche ankündigte.

15,19-20.23-25.26 Von Jerusalem bis Illyrien hat Paulus das Evangelium verkündigt, seine missionarische Aufgabe in diesen Gebieten sieht er als erfüllt an. Da die Gemeinde in Rom von jemand anders gegründet wurde und Paulus nicht in fremde Arbeitsgebiete eingreifen will, war er verhindert nach Rom zu gehen. Aber nun möchte er über Jerusalem nach Rom und mit römischer Unterstützung dann nach Spanien, um dort ein neues Arbeitsgebiet zu eröffnen. Die Geldsammlung von Gemeinden aus Mazedonien und Achaja für die sozial schwachen unter den Christen in Jerusalem ist der Grund, warum Paulus erst nach Jerusalem will.

15,30-31 Paulus weiß, daß seine Jerusalemreise gefährlich werden kann und sucht deshalb um Fürbitte an.  Vergleiche auch die zuvor von die Schwierigkeiten, die Paulus zuvor in Apg 19 und 20,3 durchleiden mußte.

16,1 Phöbe, die wohl den Brief mitnahm, war im Dienst der Gemeinde zu Kenchreä, eines korinthischen Hafens. Von daher ist der Römerbrief wahrscheinlich in Korinth abgefaßt. Dazu paßt auch Vers:

16,23 Einen Gajus kennen wir aus 1 Kor 1,14: Der Name kommt häufig vor, aber Röm 16,1 als Hinweis auf Korinth in Verbindung mit dem in der Gemeinde so bekannten Gajus (meine und der ganzen Gemeinde Gastgeber) macht wahrscheinlich, daß es derselbe Gajus ist. Auch passen die anderen oben angeführten Begleitumstände des ganzen Römerbriefes gut zu dem Ende der sogenannten dritten Missionsreise des Paulus und dem Ort Korinth.

Zur Chronologie kann man feststellen, daß der Brief von Paulus auf dem Ende der dritten Missionsreise zu dem Zeitpunkt von Apg 20,2-3 abgefaßt worden ist, nach der Vollendung der Kollekte in Mazedonien und Achaja und damit auch nach dem 1. und 2. Korintherbrief, wahrscheinlich zeitlich dicht vor dem Aufbruch nach Jerusalem. Weil er die Römer nicht kannte, entfaltet er die ihm von Gott gegebene Schau des Evangeliums vor ihren Augen, so daß er damit seinen Rombesuch vorbereitet und die Gemeinde vielleicht auch gewinnt zur Unterstützung seiner geplanten Spanienmission.

1. Der Inhalt des 1. Korintherbriefes

1,1-3 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Paulus und Sosthenes der Gemeinde Gottes in Korinth Gnade und Friede.

1,4-9 Paulus dankt Gott dafür, daß die Korinther infolge der Predigt von Christus keinen Mangel an irgendeiner Gnadengabe haben und auf die Wiederkunft Christi warten.

1,10-4,21 Paulus argumentiert angesichts der Spaltungen in Korinth für Einheit und Einmütigkeit in Christus.

1,10-17 Überwindet die sich an Menschen orientierenden Spaltungen durch die Einheit in Christus!

1,18-25 Das für die Welt törichte Wort vom gekreuzigten Christus ist das von Gott erwählte Mittel zum Heil.

1,26-31 Gott erwählte in Korinth die Schwachen, Törichten, Niedrigen, Nichtsseienden, um das, was etwas ist,
zunichte zu machen, damit sich vor Gott kein Mensch rühmen kann.

2,1-5 Die Gemeinde in Korinth entstand ohne menschliche Weisheitsworte durch die Predigt vom gekreuzigten Christus durch die Kraft des Geistes trotz der Schwachheit, der Furcht und dem Zittern bei Paulus.

2,6-16 Trotz der Torheitsseite nach außen hat das Evangelium noch eine andere Weisheitsseite nach innen. Die den Geist Gottes empfangen haben, kennen ihren Reichtum, daß sie in Christus Jahwes Sinn haben!

3,1-23 Parteiungen nach Menschen sind Zeichen unreifen Christseins. Apollos oder Paulus sind nur Diener
Gottes auf seinem Acker oder seinem Bau. Jeder soll auf dem Fundament Christus die besten Materialien aufbauen auf den Gerichtstag des Herrn hin, dem alles und alle gehören.

4,1-5 Paulus will nur Diener und Haushalter Christi sein, der als treu erfunden beim Gericht Lob erhält.

4,6-13 Paulus wendet sich gegen eine die Schriftgrenzen überschreitende, leidenslose Theologie der Herrlichkeit (theologia gloriae). 

4,14-21 Paulus wirbt väterlich um die Korinther als seine geistlichen Kinder, aber er kann auch streng sein.

5,1-13 Zum Heil eines Unzüchtigen und zur Reinerhaltung der Gemeinde soll Gemeindezucht angewandt werden.

6,1-8 Die Gemeinde soll Streitfragen zwischen Christen schlichten und nicht heidnische Gerichte.

6,9-11 Ungerechte und Unzüchtige (u.a.) ererben das Reich Gottes nicht, aber Christen sind gereinigt.

6,12-20 Die Christen sind als Glieder am Leib Christi im Geist eins mit dem Herrn und Tempel des Heilgen Geistes und können von daher unmöglich Unzucht treiben. Sie sollen mit dem Leib Gott verherrlichen.

7,1-40 Wer geschlechtlich nicht enthaltsam leben kann, soll heiraten. Eine Ehescheidung soll nie von einem Gläubigen ausgehen. Beschnittene und Unbeschnittene sollen in ihrem Stand bleiben. Sklaven sind vollwertige Christen, können sie freiwerden, mögen sie es ergreifen. Es ist von Vorteil, wenn Jungfrauen oder Witwen um des Herrn willen ihren Stand bewahren, aber Heiraten ist keine Sünde.

8,1-10,32 Christen essen aus Liebe zu den Schwachen und um Dämonenkontakte zu vermeiden kein Götzenopfer.

8,1-13 Das Wissen, das die Götzen nicht existent sind, würde das Götzenopferessen erlauben, wenn ich nicht aus Liebe gegenüber einem Schwachem, der sein Gewissen dabei beflecken würde, verzichten müßte.

9,1-27 Paulus hat freiwillig auf sein Anrecht, von der Evangeliumsverkündigung zu leben und verheiratet zu sein, verzichtet und ist allen alles geworden, um möglichst viele zu retten. Bitte Nachahmen!

10,1-13 Auch die aus Ägypten geretteten Israeliten waren getauft und wurden wurden von Gott wunderbar genährt, kamen aber mehrheitlich auf grund von bösen Begierden, Götzendienst, Unzucht, den Herrn Versuchen und Murren um.

10,14-22 Man kann nicht im Abendmahl Gemeinschaft mit Christus und im Götzenopfer mit den Dämonen haben.

10,23-11,1 Das Götzenopfer hat keine magische Kraft in sich. Darum kann man alles auf dem Fleischmarkt oder bei einem Besuch Angebotene essen. Aber aus liebender Rücksicht wird man öfters verzichten.

11,2-16 Die Schöpfungsordnung Mann und Frau betreffend wird im Gottesdienst der Gemeinde nicht aufgehoben.

11,17-34 Spaltungen, profanes Essen und Trinken und lieblose Rücksichtslosigkeit passen nicht zum Charakter des Herrenmahles. Jeder soll sich prüfen und den Herrn bei diesem Mahl ehren. Der Herr unterstreicht die Heiligkeit des Abendmahles sogar mit züchtigendem Gericht.

12,1-31 Die geistlichen Gaben sind viele, gehen aber auf einen Geist zurück, der erkennbar ist an dem von ihm gewirkten Bekenntnis: "Jesus ist Herr". Alle Christen sind durch das Getauftwerden mit dem Heiligen Geist Glied an dem einen Leib Christi geworden und haben damit eine bestimmte Aufgabe.

13,1-13 Die Liebe krönt alle Geistesgaben, ohne sie ist alles nichtig. Glaube, Hoffnung und Liebe bleiben.

14,1-40 Prophetische Rede übertrifft die Zungenrede, weil sie die Gemeinde verständlich erbaut. In der Zusammenkunft der Gemeinde sollen nur zwei bis drei Zungenredner sprechen, und das geordnet nacheinander und nur mit Ausleger. Propheten können zwei bis drei reden, die anderen sollen prüfen. Frauen sollen sich nicht am Prüfen der prophetischen Rede oder am Lehrgespräch beteiligen, damit sie sich nach dem Gesetz unterordnen, auch wenn sie nach 11,5 beten und prophetisch reden können.

15,1-58 Christus ist wahrhaftig auferstanden, in Erfüllung der Schrift und bestätigt von hunderten Augenzeugen. Ohne die Auferstehung ist der christliche Glauben leer, ohne Vergebung der Sünden und ohne Hoffnung. Die Auferstehung Christi zieht die Auferstehung der Seinen nach sich und ist Doppelpunkt zu seiner Herrschaft über den ganzen Kosmos und alle Gottesfeinde, wobei der letzte von ihm zu besiegende Feind der Tod ist. Der Auferstehungsleib übertrifft den jetzigen Leib bei weitem. Bei der letzten Posaune stehen die Toten auf, werden die Lebenden verwandelt und der Tod besiegt.

16,1-4 Am ersten Tag der Woche soll jeder freiwillig etwas für die Jerusalem-Sammlung zurücklegen.

16,5-24 Paulus erläutert seine Reisepläne, gibt letzte Ermahnungen und sendet verschiedene Grüße.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

 

1,1 Als Verfasser des Briefes werden Paulus und Sosthenes (Apg 18,17) genannt.

1,1 Der Vers nennt als Empfänger des Briefes die Gemeinde Gottes in Korinth, zieht aber auch eine Verbindungslinie zu allen Heiligen überall. Das stellt die Empfänger in die Gemeinschaft der weltweiten Kirche Gottes (vgl. auch 2 Kor 1,1). Zur Gründung der Gemeinde in Korinth siehe Apg 18,1-18.

1,11-12 Paulus empfing Informationen durch die Leute der Chloe. Dadurch wußte er von verschiedenen Problemen, die er im Brief anspricht, u.a. auch von den Spaltungen in Korinth (paulisch, apollisch, kephisch, christisch).

15,1-58 Zur Tatsache, daß die Auferstehungspredigt in Griechenland auf Schwierigkeiten stieß, vergleiche auch die Geschehnisse in Athen in Apg 17,32.

15,32 Ist dieser Vers mit dem Hinweis auf Kämpfe des Paulus in Ephesus auf dem Hintergrund von Apg 19 zu verstehen?

16,1 Paulus will die Geldsammlung (wie in Galatien!) für die Heiligen in Jerusalem/Judäa in guter organisierter Weise durchgeführt haben.

16,5 Die Reisepläne des Paulus sollen über Mazedonien nach Achaja führen (vgl. Apg 19,21).

16,6-7 Paulus denkt daran, vielleicht zum Überwintern in Korinth zu bleiben.

16,8-9 Ort der Abfassung des Briefes ist Ephesus, die Zeit ist vor Pfingsten. Paulus hat eine offene Tür fürs Evangelium, aber auch viele Widersacher.

16,10 Paulus hat Timotheus gesandt, dieser soll über Korinth mit Korintherunterstützung zu Paulus und den Brüdern zurückkommen (vgl. Apg 19,22: Timotheus u. Erastus nach

Mazedonien gesandt).

16,12 Paulus ermahnte Apollos, nach Korinth zu gehen, aber ohne Erfolg. Heißt das, daß Apollos also in Ephesus gewesen ist (vgl. Apg 18,24-19,1)?

16,15-18 Stephanas u.a. kamen (von Korinth?) nach Ephesus zu Paulus.

16,19 Die Gemeinden in Asien lassen grüßen, ebenso Aquila und Priska

16,21 Gruß des Paulus setzt wohl wie in Röm 16,22 einen Briefschreiber voraus.

Der 1 Kor ist vor dem Aufruhr des Demetrius in Apg 19,23ff abgefaßt. Pauli Plan war gewesen, bis Pfingsten in Ephesus zu bleiben (1 Kor 16,8), aber der Aufruhr wird diese Pläne geändert haben. Unser Vorschlag für die Chronologie wäre eine Abfassung Anfang AD 55.

 

3. Vorschlag für eine chiastische Struktur des 1. Korintherbriefes nach Welch1

 

I. Eingang des Briefes (1,1 -9)

II. Spaltungen in der Gemeinde in bezug auf die Leiterschaft: Die Lösung des Problems liegt in Christus, dem Gekreuzigten. (1,10-2,5)

III. Der Mensch soll sich vom Geist Gottes leiten lassen. (2,6-4,21)

(a) Die Denkweise Gottes wird durch den Geist allen denen zuteil, die bereit sind, sie zum empfangen (2,6-3,9).
(b) Jesus Christus ist das einzige und wahre Fundament (3,10-23).
(a') Alles, was wir haben, ist uns durch Apostel zuteil geworden, die wiederum nur Gottes treue Haushalter sind (4,1-21).

IV Sexuelle Probleme in der Gemeinde (5,1-7,40)

(a) Der Ausschluß von Unzüchtigen aus der Gemeinde (5,1-8)
(b) Die Vollmacht, richterlich zu urteilen (5,9-6,20)

(1) "Mir ist alles erlaubt" (6,12).
(2) "Wer der Hure anhängt, ist ein Leib mit ihr... Wer aber dem Herrn anhangt, ist ein Geist mit ihm" (6,16f)
(3) "Fliehet der Unzucht" (6,18)

(a') Ratschläge in bezug auf rechte sexuelle Beziehungen (7,1-40)

IV' Gottesdienstliche Probleme innerhalb der Gemeinde (8,1-11,34)

(a) Das Essen des Götzenofperfleisches (8,1-8)
(b) Vermeidung des Mißbrauches der Vollmacht, richterlich zu urteilen (8,9-10,33)

(3) "Fliehet den Götzendienst" (10,14)
(2) ,,Ihr könnt nicht zugleich trinken des Herren Kelch und der Teufel Kelch" (10,21).
(1) "Alles ist alles erlaubt, aber..." (10,23).

(a') Ratschläge in bezug auf rechten Gottesdienst und rechte Abendmahlsfeier (11,1- 34).

III'. Der Mensch soll sich vom vom Geist Gottes leiten lassen. (12,1-14,40)

(a) In Christus werden allen verschiedene Geistesgaben zuteil: Einheit in der Theorie (12,1-34).
(b) Liebe: die größte von allen Geistesgaben (13,1-13)
(a') Alle Geistesgaben haben ihren Platz in der Gemeinde Christi: Einheit in der Praxis ( 14,1-40).

II'. Spaltungen in der Gemeinde in bezug auf den Glauben an die Auferstehung: Die Lösung des Problems liegt in Christus, dem Auferstandenen (15,1-58).

I' Abschluß des Briefes (16,1-24).

 

Eddy Lanz, Januar 2007


 

1 Nach Welch, J. W. <Hrsg.>, Chiasmus in Antiquity, Hildesheim, Gerstenberg Verlag, 1981, John W. Welch: Chiasmus in the New Testament, S. 216-217. Übersetzung ins Deutsche mit leichter Überarbeitung von Lanz.

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