1. Der Inhalt des 2. Thessalonicherbriefes

1,1-2 Briefkopf (Absender, Empfänger, Gruß): Paulus, Silvanus und Timotheus der Gemeinde zu Thessalonich Gnade und Frieden!

1,3-12 Dank (V.3-4) und Fürbitte (V.11-12) für die Gemeinde in Thessalonich (V.5-10 sprechen im Dankeszusammenhang von Gottes Gericht zur Rettung der gläubigen Thessalonicher und zur Verurteilung ihrer Verfolger an jenem Tag, wenn Jesus wiederkommen wird).

2,1-12 Das Kommen Jesu und die Versammlung der Gläubigen zu ihm hin am Tag des Herrn ereignen sich erst, wenn der Abfall gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, welcher unter der Zulassung Gottes zum Gericht derer kommt, die die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, und der vom Herrn Jesus bei seiner Wiederkunft beseitigt werden wird.

2,13-14 Paulus dankt für die Erwählung und den Glauben der Thessalonicher.

2,15 Auf diesem Hintergrund ruft er sie zum standhaften Festhalten des von ihm in Verkündigung oder Brief überlieferten Lehrgutes auf.

2,16-17 Segenswunsch des Apostels, daß der sie liebende Herr die Thessalonicher stärken und ihnen zu Herzen reden möge. 

3,1-2 Bitte um Fürbitte für sich und sein Team, daß der Herr ihre Missionsarbeit segnet und sie von den Ungläubigen errettet.

3,3-5 Im Vertrauen auf Gottes Treue weiß Paulus, daß sie bewahrt bleiben und seinen Anordnungen Folge leisten werden, und wünscht ihnen in diesem Sinne segnend, daß der Herr ihre Herzen leiten möge.

3,6-16 Die Gläubigen in Thessalonich sollen nicht für ihren Lebensunterhalt arbeitende Gemeindeglieder durch entsprechende Maßnahmen zu einem geregelten Leben bewegen.

3,17-18 Gruß des Paulus, Echtheitszeichen, Segenswunsch.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

 1,1 Paulus, Silvanus und Timotheus: die gleichen Absender wie beim 1. Thessalonicher. Die Situation scheint in etwa die gleiche zu sein wie beim 1. Thessalonicherbrief. 

1,3-4 Die Verfolgung der Christen in Thessalonich hält an, aber sie halten in Glaube, Liebe und Geduld stand.

2,2 “Brief, als ob von uns”: Diese Bemerkung verbunden mit dem Echtheitszeichen in 3,17 könnte bedeuten, daß jemand einen Brief gefälscht hat.

2,15 “durch Wort oder Brief”: Die Gläubigen sollen festhalten an der von Pauli Team gebrachten Lehre.

3,6-12 Paulus schreibt gegen den "unordentlichen" Lebenswandel einiger Gemeindeglieder in Thessalonich. 

3,14-17 Wichtigkeit der Paulusbriefe

Der 2. Thessalonicherbrief scheint in zeitlicher Nähe zum 1. Thessalonicherbrief abgefaßt worden zu sein. Von daher kann man ihn in der Chronologie etwa im Herbst 50 AD ansetzen. Die Verfolgungslage ist immer noch die gleiche, die Thematik der Endzeit bewegt die Gemeinde immer noch stark. Anlaß der Abfassung sind außer mutmachenden Worten wegen der Verfolgungen Verwirrungen hinsichtlich des Tages des Herrn und der damit verbunden Versammlung der Gläubigen zu Jesus Christus hin (2,1ff) und unordentliche Zustände bei einigen Gemeindegliedern in Thessalonich (3,6-12), die nicht mehr ihren eigenen Lebensunterhalt verdienten (eventuell aus falsch verstandener Naherwartung heraus?).

 

Der Inhalt des 1. Timotheusbriefes

1,1-2 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Paulus dem Timotheus Gnade, Barmherzigkeit und Friede!

1,3-11 Timotheus sollte nach Pauli Abreise in Richtung Mazedonien Leuten in Ephesus wehren, die in bezug auf das Gesetz Gottes verkehrt lehrten, falsche Schwerpunkte setzten und damit echte Liebe und ungeheuchelten Glauben verdrängten.

1,12-17 Paulus dankt Gott für die ihm widerfahrene Gnade, daß Gott ihn, einen Verfolger der Gemeinde, gerettet und mit der Evangeliumsverkündigung beauftragt hat, so daß er für alle Gläubigen ein Beispiel der Geduld Gottes geworden ist.

1,18-20 Die Botschaft, daß Christus gekommen ist, um zur Ehre Gottes Sünder zu retten, befiehlt Paulus erneut seinem geistlichen Sohn Timotheus an, damit er durch die ihm persönlich zuteil gewordenen Prophezeiungen zu gutem Kampf gestärkt, mit Glauben und gutem Gewissen anders als Hymenäus und Alexander den Zielhafen ohne Schiffbruch ansteuert.

2,1-7 Es ist für Christen eine vorrangige Aufgabe, für alle Menschen, auch Regierungsverantwortung tragende, betend und mit dankbarer Haltung einzutreten, damit die Christen in gesellschaftlichem Frieden ihres Glaubens leben können. Gott nimmt solche Gebete gerne an, weil alle Menschen zum Heil kommen sollen, weil Christus sich als Mittler geopfert hat, um alle zu erlösen, und dies in der von Gott gegebenen Zeit z.B. auch durch Paulus den Nationen verkündigt werden soll.

2,8-15 Darum sollen Männer und auch Frauen an allen Orten im Gottesdienst in äußerlich und innerlich angemessener Weise beten. Eine Frau soll sich in der Gemeinde der Schöpfungsordnung gemäß unterordnen und nicht Lehrautorität und dominierendes Verhalten an den Tag legen. Gott wird gläubige Frauen durch Nöte des Gebärens hindurch bewahren.

3,1-7 Die gemeindeleitenden Männer (Episkopoi) müssen bestimme ethische und geistliche Voraussetzungen erfüllen, um ihre vorbildgebende Aufgabe ausüben zu können.

3,8-13 Für Diakone gibt es ebenso entsprechende Maßstäbe.

3,14-16 Paulus will selbst bald zu Timotheus kommen, schreibt aber den Brief, damit das Leben in der Gemeinde gut geregelt verläuft und das große Glaubensgeheimnis der Inkarnation dabei geachtet wird.

4,1-5 Gottes Geist sagt deutlich, daß in der Endzeit viele von diesem wahren Christusglauben ab- und dämonischen Lehren zufallen werden, die eine schöpfungsverachtende Tendenz an den Tag legen, indem sie Eheschließungen verhindern und von Gott geschaffene Speisen verwerfen.

4,6-16 Timotheus soll gut lehren, säkularisierende Mythen abweisen, sich im Gott ehrenden Leben trainieren, seine Gnadengabe nicht vernachlässigen und wird durch all dieses sich und die auf ihn Hörenden retten.

5,1-2 Timotheus soll sich gegenüber alten und jungen Männern und Frauen jeweils korrekt verhalten.

5,3-16 Paulus gibt bestimmte Richtlinien für das Auswählen der Witwen, die von der Gemeinde materiell versorgt werden sollen, an.

5,17-25 Die Ältesten sollen guten Arbeitslohn empfangen. Sie sollen gegenüber falschen Anklagen geschützt werden, aber bei Sünde öffentlich zurechtgewiesen werden. Timotheus soll nicht zu schnell die Hände auflegen und nicht fremder Sünden teilhaftig werden. Weintrinken soll seiner Verdauung helfen. Das Gericht Gottes wird offensichtliche und verborgene, gute und schlechte Taten der Menschen bewerten und vergelten. 

6,1-2 Gläubige Sklaven sollen Gott in ihrem Stand Ehre machen.

6,3-16 Paulus warnt vor Leuten, die aus Gewinnsucht religiöse Lehren bringen, aber sich nicht zu Jesu Worten halten und ensprechend sich selbst und anderen schaden. Timotheus soll nicht das Reich-Werden-Wollen zum Ziel haben, sondern in Glaube und Liebe und Reinheit auf die verheißene Wiederkunft Jesu Christi zuleben.

6,17-19 Die reichen Christen sollen christlich mit ihrem Reichtum umgehen.

6,20-21 Timotheus soll im Abweisen der Gnosis seinen Glaubensschatz bewahren.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1 Paulus schreibt an seinen Sohn Timotheus.

1,3 Timotheus blieb in Ephesus, als Paulus nach Mazedonien zog (vgl. Apg 20,1.3). 

1,3-4.6-7 Irrlehren (vgl. Apg 20,20; siehe 1,20: Hymenäus und Alexander)

3,1ff Qualifikationen für Episkopoi (Aufseher; Gemeindeleiter, mehrere am Ort; vgl. 5,22; ebenso Apg 20,17.28).

3,8ff Qualifikationen für Diakonoi

3,14f Zweck des Schreibens ist, Timotheus Richtlinien zu geben, wie das Gemeindeleben praktisch aussehen soll. Paulus hofft, bald zu Timotheus zu kommen. Das "bald" ist wohl im Sinne einiger Monate zu verstehen. Wären es Tage, wäre das Schreiben des Briefes überflüssig gewesen.

4,1-5 Die Irrlehre hat asketisch-gnostische Tendenzen mit Verwerfung der Ehe und gewissen Speiseverboten (vgl. 2,15, das ein Ja zur Ehe und Gottes Bewahrung beim Kindergebären voraussetzt; siehe auch Apg 20,29-31). 

13 Halte an mit Lesen ... bis ich komme.

5,3-16 Witwenregelung (bes. V. 14-15; vgl. 1 Kor 7)

23 Timotheus soll Wein gebrauchen, nicht nur Wasser, weil er oft krank ist. 

6,3-5 Hier wird ein Porträt anders Lehrender gezeichnet. 

6,20-21 Die fälschlich so genannte Erkenntnis (Gnosis im Griechischen) gibt einen Hinweis auf den Hintergrund der Irrlehren, gegen welche sich der Brief u.a. richtet. 

Der in 1,3 erwähnte Abschied des Paulus von Timotheus in Ephesus paßt gut zu Apg 20,1. Demnach kann man die Zeit für die Abfassung des Brief es auf Apg 20,2 festlegen, was nach unserem Chronologievorschlag etwa Spätfrühjahr / Sommer 55 AD wäre. Mögliche Abfassungsorte wären Troas oder Mazedonien.

 

3. Vorschlag für eine chiastische Struktur des 1. Timotheusbriefes nach Welch1

I. Einleitung (20 Verse)

A  Achte darauf, daß keine andere Lehre gebracht wird. (1,1-7)

(a) unnütze Mythen
(b) Übe Liebe aus reinem Herzen, guten Gewissen, ungeheucheltem Glauben
(a) unnützes Geschwätz

B Das Gesetz kann gegen Sünden helfen (1,8-11)

(a) Gebrauche das Gesetz dem Gesetz gemäß
(b) um viele Übel zu überwinden
(a) gemäß diesem herrlichen Evangelium.

B' Christus überwindet letztenendes die Sünden (1,12-17)

(a) Mir ist Erbarmung widerfahren
(b) von Christus, obwohl ich der schlimmste der Sünder bin,
(a) ist mir Erbarmung widerfahren.

A' Halte am Glauben auch angesichts von falschen Lehrern fest. (1,18-20)

(a) Kämpfe angesichts von ihnen den guten Kampf,
(b) halte den Glauben und gutes Gewissen
(a) auch angesichts von Hymenäus und Alexander.

II. Gemeindliche Angelegenheiten (28 Verse)

C    Übt Fürbitte für politische Machthaber (2,1-8)
D    Das Schweigen der Frauen in der Gemeinde (2,9-15)
E-1 Die Berufung eines Gemeindeleiters (3,1-7)
E-2 Die Berufung eines Diakons (3,8-13)

 

III. Persönliche Erklärungen (19 Verse)

(a) Der Christologische Hymnus (3,14-16)
(b) Die prophetische Warnung vor falscher Lehre (4,1-5)
(b) Der Auftrag zum Dienst (4,6-11)
(a) Der Dienstauftrag des Timotheus bestätigt (4,12-16)

II. Gemeindliche Angelegenheiten weiter ausgeführt (27 Verse)

D-1 Die Behandlung alter Witwen in der Gemeinde (5,1-10)
D-2 Die Behandlung junger Witwen in der Gemeinde (5,11-16)
E'    Der Öffentlichkeitscharakter des Dienstes der Ältesten (5,17-25)
C'    Gehorsam gegenüber den Herren (6,1-2a)

 

I. Schluß (19 Verse)

A Lehre diese Dinge, denn abweichende Deinge sind verkehrt. (6,2b-5)

(a) Lehre und ermahne,
(b) die vielen Übel der Wortstreitereien
(a) meide.

B Zufriedene Selbstbescheidung, nicht Geld, ist Gewinn (6,6-10)

(a) Die Verehrung Gottes in bescheidener Zufriedenheit ist Gewinn.
(b) Wir können nichts aus dieser Welt heraus mitnehmen,
(a) laßt uns in Bescheidenheit zufrieden sein,
(a) Die reich sein wollen geraten in Fallstricke.
(b) Geldliebe ist eine Wurzel allen Übels.
(a) Wer um Reichtums willen vom Glauben abirrt, bereitet sich selbst viel Schmerzen.

A' Folge den Dingen, die gerecht sind. (6,11-16)

(a) Kämpfe den guten Kampf des Glaubens mit dem ewigen Leben vor Augen.
(b) Halte das Gebot
(a) um des einzigartigen Königs willen, der Unsterblichkeit hat.

B' Beeinflusse die Reichen dahingehend, daß sie reich in guten Werken werden. (6,17-21)

(a) Vertraut nicht auf ungewisse Reichtümer, sondern Gott.
(b) Seid reich an guten Werken.
(a) Bewahre das kostbare Gut, das dir anvertraut ist.

 

 

Eddy Lanz, Januar 2007

1 Nach Welch, J. W. <Hrsg.>, Chiasmus in Antiquity, Hildesheim, Gerstenberg Verlag, 1981, John W. Welch: Chiasmus in the New Testament, S. 226f. Übersetzung ins Deutsche von Lanz.

 

1. Der Inhalt des 2. Timotheusbriefes

1,1-2 Verfasser, Empfänger, Gruß

1,3-5 Paulus dankt für Timotheus und verlangt sehnsüchtig (betend), ihn wiederzusehen.

1,6-14 Timotheus soll gestärkt durch den Geist Gottes ohne Furcht und mit Leidensbereitschaft seine Gnadengabe der Evangeliumsverkündigung (vgl. 4,5) einsetzen und sich dabei weder des Evangeliums noch auch des gefangenen Paulus schämen und sein anvertrautes Gut bewahren. Denn Gottes Heil hat ewige Dimensionen. Auch schämt der leidende Apostel sich dieses Evangeliums nicht.

1,15-18 Die Asiaten haben sich von Paulus abgewandt, Phygelus und Hermogenes unter ihnen. Dem Onesiphorus und seiner Familie wünscht Paulus Gottes Erbarmen, denn er hat dem gefangenen Paulus geholfen und sich überhaupt vorbildlich verhalten.

2,1-13 Timotheus soll die von Paulus empfangene Lehre mit Leidensbereitschaft und ganzem Einsatz weitergeben, den auferstandenen Messias ständig vor Augen. Paulus leidet um des Evangeliums und der Auserwählten willen und weiß: Christen sollen sich im Leid zu Jesus stellen und ihn bekennen, damit auch er sich zu ihnen bekennt und sie zum Leben und zur Herrschaft erhebt.

2,14-26 Angesichts der säkularisierenden gnositischen Irrlehren, die wie Krebs um sich greifen, soll Timotheus Wortgezänke meiden, friedlich und autoritativ den Irrlehrern wehren, und sein Leben selber rein führen.

3,1-9 Die letzten Tage sind gekennzeichnet von einem äußerst schwierigen und gottlosen Menschenschlag.

3,10-17 Demgegenüber hat Timotheus sich vielfach in der Arbeit mit Paulus bewährt, auch im Leiden, und soll nun eingedenk der ihm seit frühester Kindheit bekannten, inspirierten Heiligen Schriften an Christus festhalten.

4,1-5 Timotheus soll leidensbereit als Evangelist beständig weitermachen, wissend, daß zukünftig viele die Mythen der gesunden Lehre vorziehen werden.

4,6-8 Paulus selber sieht sein Leben und Glauben als vollendet an und freut sich auf den Tag Christi.

4,9-15 Weil Paulus nur Lukas bei sich hat und viele ehemalige Mitarbeiter anderenorts sind, soll Timotheus bald zu ihm stoßen und unterwegs verschiedenes berücksichtigen.

4,16-18 Seine erste Verantwortung vor Gericht brachte Paulus in Lebensgefahr, aber der Herr half ihm, so daß er nicht den Löwen vorgeworfen wurde. Paulus ist sich der zukünftigen Errettung ins himmlische Reich gewiß.

4,19-22 Letzte Informationen, Grüße und Segenswunsch.

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1-2 Paulus dem Timotheus Gnade, Barmherzigkeit und Friede!

1,3-4 Paulus denkt an die Tränen des Timotheus, die dieser wohl beim Abschied von Paulus vergossen hat. Timotheus hatte ein gläubige Mutter Eunike und eine gläubige Großmutter Lois.

1,8 Der gefangene Paulus fordert Timotheus auf: "Leide mit mir!"

1,12 Paulus leidet um des Evangeliums willen. 

1,15 Alle in der Landschaft Asien haben sich von Paulus gewandt (darunter auch Phygelus und Hermogenes).

1,16-18 Paulus wünscht dem Haus des Onesiphorus Gottes Erbarmen. Denn er suchte Paulus in Rom und fand ihn auch schließlich, aber wo? Wenn in Rom, dann ist der 2. Tim in Rom abgefaßt. Wenn Onesiphorus ihn in Rom zu finden erwartet hatte, dann aber nicht fand, sondern woanders, dann könnte es auch ein anderer Ort gewesen sein. Onesiphorus scheint nach Ephesus in Asien zu gehören (1,18). Sicher hat er von Pauli Plan gewußt, zuerst nach Jerusalem zu reisen, um die Kollekte für die Armen unter den jüdischen Christen abzuliefern, und danach nach Rom. Vielleicht hatte er damit gerechnet, ihn in Rom zu treffen, was nicht der Fall war. Nachdem er erfahren hatte, daß Paulus wie befürchtet (Röm 15,30-31) in Judäa aufgehalten worden war, könnte Onesiphorus seine Rückreise nach Asien so gelegt haben, daß er dem Paulus in Judäa einen tröstenden Besuch abstatten konnte. 

2,9 Paulus leidet bis zu den Banden.

2,16-18 Die Irrlehre von Hymenäus und Philetus frißt um sich wie der Krebs. Ihr Bekenntnis, daß die Auferstehung schon geschehen sei, beinhaltet wohl ein rein geistlich-gnostische Deutung der Auferstehung bei gleichzeitiger Leugnung der Auferstehung des Fleisches (vgl. 1. Kor 15,12). 

22 Timotheus soll den Lüsten der Jugend entfliehen. Das bedeutet, daß er selber altersmäßig zur "Jugend" zu rechnen ist. Ganz jung kann er aber nicht mehr sein, da er schon etwa seit dem Jahre 48 AD mit zu Pauli Team gehört, also auch bei einer Frühdatierung vom 2. Tim in Cäsarea im Jahre 56 AD schon seit acht Jahren mit auf Reisen ist. Wenn er bei Beginn mindestens 20 war, was nach Num 1,3 das Alter der Wehrpflicht darstellte (vgl. 2. Tim. 2,3-4), dann war er zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Briefes um die 30 Jahre alt. 

3,1-9 Die Gläubigen haben in der Endzeit mit äußerst schwierigen Zeiten zu rechnen. 

3,11 Paulus erinnert an seine Leiden durch Verfolgungen in Antiochien, Ikonion, Lystra, der Gegend, aus welcher auch Timotheus stammt (Apg. 16,1). 

4,6.9-10 Paulus hat den Tod vor Augen. Timotheus soll schnell kommen. Der ehemalige Mitarbeiter des Paulus Demas hat diesen verlassen, weil er das Diesseits liebgewonnen hat. Crescens ist nach Galatiengegangen, Titus nach Dalmatien.

4,11 Lukas ist allein bei Paulus, Timotheus soll Markus mitbringen, der nützlich zum Dienst sei. Das heißt die Bereitschaft zu sterben um des Evangeliums willen ist verbunden mit weiterer Evangelisation.

4,12 Paulus hat Tychikus nach Ephesus gesandt  (vgl. Eph. 6,21 und Kol. 4, 7-8). 

4,13 Timotheus soll den zu Troas bei Karpus gelassenenen Mantel bringen, ebenso Bücher und Pergamente. (Timotheus ist nicht in Ephesus, siehe V. 12, aber die Reise zu Paulus führt an Troas vorbei.)  Timotheus soll den Mantel vor dem Winter (4,21) mitbringen, was bedeuten kann, daß Paulus damals den Mantel in Troas bei Karpus ließ, zusammen mit Büchern, weil er darauf hoffte, nach seiner Jerusalemreise mit dem Schiff nach Rom zu fahren, um später in Spanien zu evangelisieren (vgl. Apg. 20,21; Röm 15,24). Die Schiffsreise von Jerusalem nach Rom hätte an Troas vorbeiführen können. Er hatte nicht damit gerechnet, in Judäa im Gefängnis überwintern zu müssen. Nun aber zieht sich alles hin, und er braucht seinen Mantel. 

4,14-15 Alexander, der Schmied, erwies dem Paulus viel Schlechtes, Timotheus soll sich vor ihm hüten.

4,16-17 Pauli erste Verteidigung vor Gericht ist schon hinter ihm. Dabei war er von allen verlassen worden, nur nicht vom Herrn.

4,19 Grüße an Priska und Aquila und das Haus des Onesiphorus

4,20 Erastus blieb in Korinth. Trophimus “lies” Paulus in Milet krank.

4,21 Timotheus soll vor dem Winter kommen (mit dem Mantel, siehe 4,13). Grüße von Eubulus, Pudens Linus, Klaudia und allen Brüdern.

Der 2. Timotheusbrief kann in Rom abgefaßt worden sein (traditionelle Auffassung) oder auch in Cäsarea. Wer die oben gegebene Erklärung von 1,16-18 als nicht annehmbar empfindet, wird eher von Rom ausgehen. Der Ort Cäsarea würde gut zu manchen Aussagen in 2. Tim 4 passen. Die Entscheidung fällt schwer. Vielleicht muß man es offen lassen. Ich finde es auf jeden Fall angemessen, davon auszugehen, daß der 2. Timotheusbrief ebenfalls ein Gefangenschaftsbrief ist, der in derselben Gefangenschaft (von Cäsarea bis Rom) abgefaßt ist wie die übrigen sogenannten Gefangenschaftsbriefe des Paulus (Eph, Phil, Kol, Philemon). Zeitlich wäre er nach unserem Chronologievorschlag entweder im Sommer 56 AD (Cäsarea) oder im Herbst 60 AD (Rom) anzusetzen.

 

3. Vorschlag für eine chiastische Struktur des 2. Timotheusbriefes nach Welch1

A Persönliche Bemerkungen ( 1,1-18)

(a) Die Verheißung des Lebens (1,1)
  (b) Der Wunsch, Timotheus zu sehen (1,2-4)
     (c) Die Treue von Lois und Eunike (1,5)
      (d) Die Einsetzung des Timotheus in den Dienst durch Paulus (1,6-7)
         (e) Des Paulus Gefangenschaft, keine Schande empfinden (1,8)
           (f) Heil und Licht in Christus Jesus (1,9-10)
         (e) Des Paulus Leiden, keine Schande empfinden (1,11-12)
       (d) Die Unterweisung des Timotheus durch Paulus (1,13-14)
    (c) Die Untreue von Phygelus und Hermogenes (1,15)
  (b) Der Besuch des Onesiphorus ( 16-17)
(a) Die Verheißung des Lebens (1,18)

B Zukünftiges Leben in Christus (2,1-21)

(a) Der gute Kämpfer (2,1 -6)
   (b) Vorhersagen zukünftiger Segnungen
        Wenn wir mit ihm sterben,dann werden wir auch mit ihm leben.
        Wenn wir mit ihm Leid erdulden, werden wir auch mit ihm königlich regieren. (2,7-14)
(a) Der gute Arbeiter, der für jedes gute Werk zugerüstet ist (2,15-21)

B’ Zukünftiges Leben auf der Erde (2,22-3,17)

 

(a) Unterweisung des Dieners des Herrn (2,22-26)
    (b) Vorhersagungen über menschliche Bosheit (3,1-9)
(a) Unterweisung des Timotheus zu allen guten Werken (3,10-17)

A’ Persönliche Bemerkungen (4,1-22)

(a) Der Herr wird Gericht üben bei seiner Ankunft (4,1, cf. 1,18)
        (d) Der Dienst des Timotheus (4,2)
      (c) Menschen werden sich abwenden (4,3-4, cf. 1,15)
          (e) Leide willig. (4,5, cf. 1,8)
        (d) Richte deinen evangelistischen Dienst voll aus. (4,5)
          (e) Des Paulus Leiden (4,6-7, cf. 1,11-12)
            (f) Die Krone der Gerechtigkeit bei seiner Erscheinung (4,8, cf 1,9-10)
  (b) Der Wunsch, Timotheus zu sehen (9, cf. 1,2-4)
      (c) Die Treuen und die Untreuen (4,10-17, cf. 1,5.15-17)
(a) Die Verheißung des Lebens (18)
  (b) Der Wunsch, Timotheus zu sehen (21)

 

Eddy Lanz,  Januar 2007

1 Nach Welch, J. W. <Hrsg.>, Chiasmus in Antiquity, Hildesheim, Gerstenberg Verlag, 1981, John W. Welch: Chiasmus in the New Testament, S. 229f. Übersetzung ins Deutsche von Lanz.

1. Der Inhalt des Titusbriefes

1,1-4 Briefkopf (Verfasser, Empfänger, Gruß): Paulus dem Titus Gnade und Friede!

1,5-9 Titus sollte in Kreta die Gemeinden zur Selbstständigkeit führen, indem er Älteste einsetzte, für welche Paulus jetzt im Brief Voraussetzungen angibt, die sie erfüllen müssen.

1,10-16 Die Gemeinden in Kreta sind von der kretischen Kultur her gefährdet und auch von manchen judaisierenden Irrlehrern, die jüdische Mythen und verkehrte Menschengebote (z.B. rein und unrein betreffend) entgegen dem Glauben und der Wahrheit verbreiten.

2,1-10 Demgegenüber soll Titus durch Vorbild und gesunde Lehre den älteren und jüngeren Männern und Frauen, auch speziell den Sklaven in der Gemeinde zu einem gesunden, christlichen Leben verhelfen.

2,11-15 Die in Christus erschienene rettende Gnade Gottes gilt allen Menschen und will sie von dem gottlosen, weltlichen Leben erlösen und mit erzieherischen Mitteln zu einem an guten Werken reichen Eigentumsvolk Gottes machen.

3,1-2 Christliche Ethik beinhaltet der Obrigkeit gegenüber ein gehorsames, zu guten Werken bereites Leben und allen Mitmenschen gegenüber ein gewaltloses, friedfertiges, freundliches Verhalten.

3,3-7 Denn auch die Christen waren zuvor in Sünden und Haß verstrickt, aber die in Christus geoffenbarte Menschenfreundlichkeit Gottes hat sie nicht aufgrund von Werkgerechtigkeit, sondern aus Gnade gerettet.

3,8-11 Titus soll dies lehren, damit die Gläubigen reich an guten Werken sind. Geschlechtsregisterdiskussionen und Gesetzesstreitigkeiten soll Titus meiden und Häretikern wehren.

3,12-15 Letzte Aufträge und Grüße

 

2. Für die Einleitungsfragen bedeutsame Aussagen des Briefes

1,1 Der Apostel Paulus ist Verfasser.

1,4  Er schreibt an Titus, einen bewährten Mitarbeiter (siehe 2 Kor 2,13; 7,6.13.14; 8,6.16.23; 12,18; Gal 2,1.3; 2 Tim 4,10). 

1,5 Titus ist in Kreta, um dort Älteste einzusetzen. 

1,10-16 Auch in Kreta gibt es das Problem verkehrter Lehren. Dazu kommen noch gewisse Tendenzen kretischer Kultur und Lebensgefühls, die ethische Probleme schaffen.

1,14-15 Paulus wendet sich gegen jüdische Fabeln.

3,1 Gläubige sollen sich der Obrigkeit unterordnen.

3,9 Titus soll sich vom Streiten über das Gesetz fernhalten, das möglicherweise bei den Irrlehrern Teil ihres Auftretens war (vgl. 1,10ff). 

3,12 Paulus verabredet sich mit Titus in Nikopolis für den Winter. Wenn Artemas oder Tychikus zu Titus gesandt werden, soll er zu Paulus kommen. Das von Paulus am wahrscheinlichsten gemeinte Nikopolis liegt in Illyrien, das in Röm 15,19 erwähnt wird. 

3,13 Zenas und Apollos soll Titus für die Reise rüsten.

Röm 15,19 setzt voraus, daß Paulus in einem großen Halbkreis von Jerusalem nach Illyrien das Evanglium voll ausgerichtet hat. In diesem Halbkreis liegt auch Kreta. Der Titusbrief hilft dem Titus bei seiner Aufgabe, in Kreta auf der ganzen Insel in allen Gemeinden Älteste einzusetzen. Er gibt ihm Richtlinien dafür. Darum ist der Titusbrief vor der Abfassung von Röm 15,19 anzusetzen (d.h. vor der Römerbriefabfassung Anfang 56 AD). Da Paulus dem Titus seine Überwinterungspläne mitteilt und da er will, daß Titus wahrscheinich vor dem Winter zu ihm kommt, vor dem Gefährlichwerden der Schiffsfahrt (siehe Apg 27,9-10), ist der Titusbrief nach unserem Chronologievorschlag im August / September 55 anzusetzen.

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